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DP-Lager Hanau
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Das DP-Lager Hanau entstand nach dem am 28. MĂ€rz 1945 erfolgten Einmarsch der US-Army in Hanau. Es wurde zunĂ€chst in zwei ehemaligen Wehrmachts-Kasernen im Hanauer Lamboy-Viertel eingerichtet und war als Assembly Center (Sammelzentrum) fĂŒr Displaced Persons (DPs) geplant, die von hier aus repatriiert werden sollten. Im Zuge der weiteren Entwicklungen wurde aus dem Sammellager aber mehr und mehr ein Aufenthaltslager mit lĂ€ngerer Verweildauer, in dem sich dann vorwiegend baltische FlĂŒchtlinge aufhielten.cite-ref-2[1.1] 1949/50 fungierte das DP-Lager Hanau als zentrale hessische Einrichtung, da die anderen Lager in Hessen aufgelöst worden waren. Am 30. November 1950 endete die Geschichte des DP-Lagers Hanau. Dessen letzte Bewohner wurden in die Obhut der StĂ€dte Frankfurt am Main und Hanau ĂŒbergeben.cite-ref-4[2.1]

Contents

‱ Literatur
‱ Weblinks

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Das DP-Lager Hanau in zeitgenössischen Quellen

Das Tagebuch des Harry Heath

In der 2006 erschienenen Geschichte der Fremd- und Zwangsarbeiter in Hanau von Edgar Thielemanncite-ref-e-thielemann-5-0[3] bildet das Kapitel ĂŒber das DP-Lager nur noch den knappen Abschluss des Buches. Eine wichtige Quelle stand ihm damals allerdings auch noch nicht zur VerfĂŒgung: Das Tagebuch des ersten Leiters des DP-Lagers, das erst 2022 durch die Publikation von Alice Noll bekannt wurde. Autor dieses Tagebuchs war der Brite Harry Heath, der von April 1945 bis Juni 1947 als freiwilliger Mitarbeiter der UNRRA das Lager leitete. Allerdings erstreckt sich dessen Tagebuch nur auf die Zeit bis zum 31. Dezember 1945 und endet laut Noll abrupt. Trotzdem ermöglicht dieses Dokument einen umfassenden Einblick in die Situation und in die Verwaltung des Lagers in seiner Anfangszeit. Das Tagebuch wird zudem ergĂ€nzt durch umfangreiche ErlĂ€uterungen der Herausgeberin Alice Noll, einer Historikerin und ehemaligen Studiendirektorin an der Hanauer Karl-Rehbein-Schule, und durch Erinnerungen von Heath’ Ehefrau Muriel Gardner-Heath. Noll sah ihre Aufgabe als Herausgeberin darin, das Tagebuch, das als „Zeitzeugenbericht eine subjektive historische Quelle“ darstelle, „durch den Abgleich mit offiziellen Dokumenten zur Planung, DurchfĂŒhrung und Beurteilung des alliierten DP-Programms aus amerikanischen und britischen Archiven“ zu verifizieren.cite-ref-6[1.2] Ein umfangreicher Anmerkungsapparat veranschaulicht und vertieft die TagebucheintrĂ€ge von Heath.

Harry Heath (1896–1951), der am Ersten Weltkrieg teilgenommen hatte und fĂŒr seinen Einsatz in Deutschland zum Major ernannt wurdecite-ref-7[1.3], war vor seinem Einsatz in Hanau „leitender Angestellter fĂŒr FlĂŒchtlingsangelegenheiten im Ministerium fĂŒr Arbeit in London“.cite-ref-8[1.4] Zu seinem Team, dem UNRRA-Team 27, gehörten anfangs außer ihm als Direktor seine Frau Muriel als leitende Sozialarbeiterin im Rang eines Leutnants, die Britin Pamela N. Deed als Verwaltungsleiterin, der französische Arzt Pierre P. Clement als Medizinischer Leiter und zwei weitere Franzosen als Fahrer (A. Thomas und S. Bounefon).cite-ref-10[4.1] Das UNRRA-Team war einer Spezialgruppe innerhalb der fĂŒr zivile Angelegenheiten zustĂ€ndigen Abteilung der SHAEF-MilitĂ€r-Administration unterstellt, mit der gemeinsam Heath das Lager leitete. Ab Oktober 1945 fungierte er als alleiniger Lagerleiter, blieb aber weiterhin der MilitĂ€rverwaltung gegenĂŒber verantwortlich.cite-ref-11[1.5] Noll beschreibt die Rolle der UNRRA in dieser Konstellation als eine

„des Gehilfen als Vollstrecker der politisch-militĂ€rischen Vorgaben [
]. WĂ€hrend die Beschaffung der Grundversorgung und Unterkunft (durch die Beschlagnahmung von Kasernen und HĂ€user) in der Hand des MilitĂ€rs liegt, ist es Aufgabe des Lagerleiters, ein geordnetes Zusammenleben innerhalb der Lager zu ermöglichen, dort die gerechte Verteilung der angelieferten GĂŒter, einschließlich der internationalen Sachspenden aller Art, zu gewĂ€hrleisten und das primĂ€re Ziel der RĂŒckfĂŒhrung von Tausenden in ihre HeimatlĂ€nder lagerintern zu organisieren.“

–

Alice Noll

:

Einleitung und Anmerkungen zu

Die UNRRA in Hanau

, S. 10

Dass mit Heath ein Zivilist die Lagerleitung ausĂŒbte, war nicht selbstverstĂ€ndlich und sorgte hĂ€ufig fĂŒr Reibereien, da Heath den ihm anvertrauten Menschen mit einer anderen Einstellung gegenĂŒbertrat als die MilitĂ€rs, fĂŒr die die Repatriierung der DPs oberste PrioritĂ€t hatte. Noll fĂŒhrt das auch auf Heaths Persönlichkeit und Wertorientierung zurĂŒck, die ihn befĂ€higten, seine SpielrĂ€ume innerhalb der Hierarchie zu nutzen,

„urn den vom NS-System gedemĂŒtigten und bedrohten Menschen als Hilfe zur Wiederherstellung ihres SelbstwertgefĂŒhls und zur Erleichterung ihrer RĂŒckkehr in ein normales Leben die Möglichkeit zur physischen wie auch psychischen Gesundung zu verschaffen. Unter diesem Gesichtspunkt fördert er alle lagerinternen Initiativen zur RĂŒckgewinnung von Lebensfreude und Zukunftsperspektiven. Dies ist seine Interpretation des UNRRA-Auftrags zur Rehabilitierung, d.h. Wiederherstellung der Opfer, ein Begriff, der innerhalb der UNRRA-Organisation unterschiedlich verstanden wird und anfangs noch keiner verbindlichen inhaltlichen Festlegung unterliegt. Rehabilitierung deutet Heath als Auftrag, sich auch den psychischen BedĂŒrfnissen der Lagerinsassen anzunĂ€hern.“

–

Alice Noll

:

Einleitung und Anmerkungen zu

Die UNRRA in Hanau

, S. 10

Allerdings bestand auch in Hanau die Gefahr, dass ein Armee-Offizier die Lagerleitung ĂŒbernehmen könnte. FĂŒr Heath, der sich „keinen einfallslosen Armee-Major ĂŒber mir“cite-ref-13[4.2] vorstellen wollte, war diese Gefahr erst Anfang Juli 1945 gebannt, nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass die Idee einer militĂ€rischen Lagerleitung nicht mehr weiter verfolgt wĂŒrde. Er wertete das als eine Anerkennung der Arbeit von ihm und seinem Team.cite-ref-14[4.3] Im November 1945 wurde die Lagerleitung in anderen Camps endgĂŒltig vom MilitĂ€r auf die UNRRA ĂŒbertragen. Das Team von Heath wurde verstĂ€rkt, und er erhielt einen Stellvertreter zur Seite gestellt.cite-ref-15[1.6]

Aron Bernsteins Dissertation ĂŒber das DP-Lager Hanau aus dem Jahr 1950

Nicht weniger von Bedeutung fĂŒr das Wissen ĂŒber die Geschichte des DP-Lagers Hanau ist die 1950 fertiggestellte Dissertation von Aron Bernstein (* 5. Juli 1923 in Korelitschecite-ref-16[6] – † 14. April 2013 in den USAcite-ref-17[7]), eines Holocaust-Überlebenden, der selbst als Displaced Person nach Deutschland kam. Bernstein erlebte 1939 die sowjetische Besetzung Ostpolens in der Folge des Hitler-Stalin-Pakts und 1941 den deutschen Überfall auf die Sowjetunion. Danach ĂŒberlebte er mehrere Ghettos und Konzentrationslager, zuletzt Mauthausen. Nach der Befreiung durch die US Army blieb er zunĂ€chst in Österreich und begann dann im September 1946 ein zahnmedizinisches Studium an der Goethe-UniversitĂ€t in Frankfurt am Main.cite-ref-18[8] In diesem Kontext verfasste er die fĂŒr einen Zahnmediziner auf den ersten Blick ungewöhnliche Dissertation ĂŒber Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhĂ€ltnisse. Anm. Bernsteins knappe (nur 40 Seiten starke) aber durch Quellen und Statistikencite-ref-19[9] gut belegte Arbeit wurde von dem Hygieniker Hans Schlossberger betreut und befasste sich ĂŒberwiegend mit den hygienischen VerhĂ€ltnissen und der ErnĂ€hrungslage im DP-Lager Hanau wĂ€hrend der Jahre 1945 bis 1949. Ein Kapitel der Arbeit war der zahnĂ€rztlichen Versorgung des Lagers gewidmet und betraf somit das Fachgebiet, in dem Bernstein im MĂ€rz 1950 die Ă€rztliche PrĂŒfung bestand.

FĂŒr Markus HĂ€fners Aufsatz ĂŒber die Displaced Persons in Hanau, eine der seltenen Arbeiten ĂŒber dieses Thema, war Bernsteins Dissertation eine wichtige Grundlage, weil dessen „Erhebungen unmittelbar am historischen Ereignis vorgenommen wurden“. Damit sei Bernsteins „Zahlen mehr Vertrauen zu schenken“cite-ref-20[2.2] als spĂ€teren Arbeiten zu diesem Thema. Bernsteins Dissertation, das Tagebuch von Harry Heath und die zusĂ€tzlichen Informationen von Alice Noll ermöglichen einen umfassenden Blick in die Struktur und den Alltag des DP-Lagers Hanau.

Die Geschichte des Lagers

Fremdarbeiter in Hanau

Nach der letzten VolkszĂ€hlung vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs lebten am 17. Mai 1939 in dem Gewerbe- und Industriestandort Hanau 42.191 Einwohner.cite-ref-21[3.1] Dieser Einwohnerzahl, die sich im Laufe des Krieges drastisch reduziertecite-ref-22[10], stand bald eine wachsende Anzahl von Kriegsgefangenen sowie auslĂ€ndischen Zivil- und Fremdarbeitern gegenĂŒber. Am 1. April 1943 waren in 26 ĂŒber das Stadtgebiet verteilten Lagern 241 Kriegsgefangene und 1.741 auslĂ€ndische Fremdarbeiter untergebracht, die ĂŒberwiegend in der Industrie und in der Landwirtschaft Zwangsarbeit leisten mussten. Diese Zahlen stiegen in den Folgemonaten weiter ancite-ref-23[3.2], und erst recht mit dem nahenden Ende des Zweiten Weltkriegs, als nun ehemalige Fremdarbeiter auch von weiter her nach Hanau strömten und das Gros der Displaced Persons stellten.

Eine fĂŒr die US-amerikanischen Behörden zwischen 1947 und 1949 erstellte Suchliste ĂŒber in Hanau lebende AuslĂ€nder verzeichnete 10.009 Personen aus ĂŒber 30 Nationen, von denen lediglich 378 – darunter 198 Juden – nicht als Fremdarbeiter anzusehen waren. Die grĂ¶ĂŸten Gruppen stellten die Franzosen mit 2.027 Personen und die laut Statistik als Russen gefĂŒhrten Menschen, die vor allem aus Russland, Weißrussland und der Ukraine stammten: 3.449. Eine dritte große Gruppe bildeten die Polen mit 1.722 Personen.cite-ref-24[3.3] Die Zahlen des Ehepaares Heath, die von einer nur geringfĂŒgig anderen Gesamtzahl der DPs berichten, vermitteln allerdings fĂŒr das Jahr 1945 eine von Thielemanns Zahlen abweichende Zusammensetzung der Hanauer DPs.

Die FrĂŒhphase des Lagers unter der Leitung von Harry Heath

Schon vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die US-amerikanischen Besatzungsbehörden Überlegungen darĂŒber angestellt, wie nach einem Sieg ĂŒber Nazi-Deutschland mit den Millionen von Verschleppten umzugehen sei. Vorrangiges Ziel war deren geordnete RĂŒckfĂŒhrung (Repatriierung) in die jeweiligen HerkunftslĂ€nder. Zu diesem Zweck wurden in den befreiten Gebieten Sammelzentren (Assembly Centers) eingerichtet, die DP-Lager. Mit der Einrichtung dieser Zentren einher ging das Versprechen des MilitĂ€rs, dort bis zur eigentlichen RĂŒckfĂŒhrung in die HeimatlĂ€nder Unterkunft, Verpflegung und medizinische Versorgung zur VerfĂŒgung zu stellen. Das alles sollte in enger Kooperation mit der UNRRA erfolgen.cite-ref-25[1.7] Als Folge davon „strömten in den Sommer- und Herbstmonaten russische Staatsangehörige aus allen Gegenden Westdeutschlands nach Hanau, von wo aus die Repatriierung durchgefĂŒhrt wurde“.cite-ref-27[11.1] Die Auseinandersetzungen um diese Repatriierungen sind ein fortlaufendes Thema im Tagebuch von Harry Heath, ebenso auch die Auseinandersetzungen zwischen den NationalitĂ€tengruppen, aber auch die gemeinsam gefeierten Feste und die sozialen und kulturellen Entwicklungen.

Harry Heath besuchte erstmals am 20. April 1945 das Lager in Hanau, das zu dem Zeitpunkt noch von weiblichen Angehörigen der französischen Mission Militaire de Liaison Administrative (MMLA) geleitet wurde.cite-ref-28[12], der viele weibliche Freiwillige angehörten.cite-ref-29[13] Bei Noll heißt es ĂŒber sie, „die als Krankenschwestern, Ärztinnen, Sozialarbeiterinnen die alliierten Truppen bei ihrem Vormarsch durch Europa begleiten[:] Sie unterstĂŒtzen die Armeen bei der Versorgung und RĂŒckfĂŒhrung von Tausenden befreiter Kriegsgefangenen, FlĂŒchtlingen und Displaced Persons. In dieser Funktion sind sie in Hanau bereits vor Ankunft des UNRRA-Teams im Einsatz.“cite-ref-30[1.8] Die Französinnen hatte die Verantwortung fĂŒr etwa 10.600 Lagerbewohner, die in der Francois-Kaserne und in der Hutier-Kaserne untergebracht warencite-ref-25-1[1.7] – getrennt nach zwei NationalitĂ€tengruppen: Russen (so Heath, der nicht zwischen den NationalitĂ€tengruppen innerhalb der Sowjetunion unterschied) und Polencite-ref-31[4.4], wobei letztere in der Francois-Kaserne lebten, die Russen in der Hutier-Kaserne.cite-ref-32[1.9] Zu diesen beiden Großgruppen (Russen = 6.001 Personen; Polen 3.254 Personen) gesellten sich weitere Gruppen unterschiedlicher NationalitĂ€t, wie Heath am 9. Mai 1945 in seinem Tagebuch vermerkte: 912 Italiener, 85 Serben, 27 RumĂ€nen, 31 Esten und 87 Franzosen, von denen aber 70 Polizisten gewesen seien.cite-ref-33[4.5]

Heath Frau Muriel gab in einem RĂŒckblickcite-ref-35[14.1] eine andere Auskunft ĂŒber die Herkunft der ersten 10.600 Lagerbewohner.

‱ Ein Drittel der Menschen sei aus Konzentrationslagern gekommen, die meisten aus Auschwitz-Birkenau, andere aus Dachau, RavensbrĂŒck und Majdanek. Alice Noll zitiert aus einem Interview von Muriel Gardner-Heath aus dem Jahr 1998, in dem sich diese noch sehr gut an die Ankunft der KZ-HĂ€ftlinge in Hanau erinnern konnte, von denen viele ab August 1945 in das jĂŒdische DP-Camp Zeilsheim ĂŒbergewechselt seien.cite-ref-36[1.10]
‱ Ein weiteres Drittel sei aus den Zwangsarbeiterlagern gekommen, ĂŒberwiegend aus den Lagern der Hanauer Dunlop-Werke und der zur Degussa gehörenden Deutsche Kunstleder-Werke GmbH.
‱ Das letzte Drittel habe vor allem aus polnischen und italienischen Kriegsgefangenen bestanden.

Muriel-Gardner sagte nichts ĂŒber die große Gruppe der Russen und deren ethnische Zusammensetzung und bleibt auch hinsichtlich der jĂŒdischen Lagerbewohner vage. Noll merkte dazu an, dass die Letzteren, weil sie „zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene NationalitĂ€t besitzen, [
] sie in der Lagerstatistik nicht als selbstĂ€ndige Gruppe [erschienen]. Sie werden vielmehr mehrheitlich unter die Polen (80 %) und in kleinerer Zahl unter die Litauer oder RumĂ€nen eingeordnet. Lagerintern bauen sie keine eigenen Strukturen auf. Das erklĂ€rt auch, warum sie im Tagebuch von Lagerleiter Heath keine ErwĂ€hnung finden.“cite-ref-37[1.11]cite-ref-38[15]

Gardner-Heath zeigte auch, dass fĂŒr sie und ihren Mann (beziehungsweise das gesamte UNRRA-Team) die Unterscheidung zwischen Russen und Ukrainern nicht von Bedeutung war, da beide aus der UdSSR stammten.

„Die Russen waren besonders misstrauisch gegenĂŒber den Ukrainern und von Anfang an weigerten sich die Ukrainer, in russischen Camps untergebracht zu werden. Wir steckten sie mit den Polen zusammen. Sie behaupteten, sie seien keine Russen, obgleich ihr Land zur UdSSR gehöre. Sie seien eine Republik und nicht russisch. Die Russen behaupteten, dass viele Ukrainer aktiv mit den Deutschen zusammengearbeitet hĂ€tten. Es gĂ€be solche, die sogar in den Konzentrations- und Arbeitslagern mit den deutschen Herren kollaboriert hĂ€tten. Aber im Großen und Ganzen trennten die nationalen Gruppen untereinander selbst die Schafe von den Böcken. Sie wussten, welche ihrer Landsleute dem Feind geholfen hatten.“

–

Muriel Gardner-Heath

:

RĂŒckblick

, in: Alice Noll:

Die UNRRA in Hanau

, S. 149

FĂŒr Harry Heath und sein Tagebuch spielten all diese Differenzierungen keine Rolle. Sowohl in seinen Statistiken als auch in seinen Eintragungen unterscheidet er die ihm anvertrauten Menschen nach ihrer NationalitĂ€t und orientiert sich dabei an nationalen Zugehörigkeiten aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. GestĂŒtzt auf diese NationalitĂ€ten und ihre Vertreter organisiert er das Zusammenleben im Lager.

„Von Anfang an fordern die westlichen Alliierten die einzelnen nationalen Gruppen auf, eigene Sprecher und Vertreter zu bestimmen, an die sie ihre Anweisungen richten können. Bei Heaths Ankunft im Lager haben dementsprechend Russen, Polen, Italiener und andere in Selbstorganisation bereits Komitees gebildet, mit einem Sprecher oder „Chef“ an der Spitze, ferner einen Sicherheitsdienst - von Heath „Polizeichef“ genannt - zur Überwachung der Ordnung in den eigenen Reihen, sowie weiteren Referenten fĂŒr Kultur, Schulen, Sport usw. Heath verwendet zur Bezeichnung des obersten ReprĂ€sentanten einer nationalen Gruppe durchgehend den Begriff „chief“. Es gelingt ihm innerhalb weniger Wochen, die Chefs regelmĂ€ĂŸig zu gemeinsamen Sitzung zusammenzurufen. In den tĂ€glich um 11 Uhr stattfindenden Konferenzen informiert er ĂŒber die neuesten Anweisungen der MilitĂ€rbehörde, bespricht die dringlichsten Aufgaben und Probleme im Lager und macht VorschlĂ€ge fĂŒr mögliche Abhilfen. Zwar erschweren auf jeder Seite unzureichende Sprachkenntnisse sowie fehlende Dolmetscher die Kommunikation, doch stellen diese Treffen fĂŒr Heath grundsĂ€tzlich einen Austausch unter freien Menschen, denen er mit Respekt begegnet, dar. Damit gibt er den DPs Raum zur Mitwirkung und bis zu einem gewissen Grad eigenstĂ€ndigen Gestaltung ihres Alltags im Lager. Diese auf humanitĂ€rer Überzeugung beruhende Haltung kennzeichnet seinen FĂŒhrungsstil. Er entspricht dem grundlegenden Motto von UNRRA „to help the people help themselves“, d.h. Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. Allerdings setzt ihn seine Nachsicht und VerstĂ€ndnisbereitschaft bei mehreren Gelegenheiten der Kritik des MilitĂ€rs aus, welches mangelnde Ordnung und Sauberkeit im Lager beanstandet.“

–

Alice Noll

:

Einleitung und Anmerkungen zu

Die UNRRA in Hanau

, S. 24, Anmerkung 28

Schon am 20. April bei seinem ersten Besuch in Hanau (die offizielle Lagerleitung ĂŒbernahm er erst am 22. April 1945) wurde Heath mit dem Problem sexueller Übergriffe konfrontiert. Die französische Lagerleiterin erzĂ€hlte ihm davon, „dass vor zwei NĂ€chten schwarze Soldaten der US-Armee versuchten, zu den russischen Frauen vorzudringen und dass ein Kampf stattfand, in dem ein Russe getötet wurde“.cite-ref-39[4.6] Heath musste allerdings erkennen, dass ein solcher Vorfall fĂŒr die militĂ€rischen Vorgesetzten nur von geringer Bedeutung war. An seinem ersten offiziellen Arbeitstag in Hanau vermerkte er in seinem Tagebuch, dass Russen angezeigt worden seien, „50 Schafe und KĂŒhe von den Deutschen gestohlen und ins Camp gebracht zu haben. Bei der Durchsuchung des Camps wurden nur noch 10 gefunden, der Rest war schon in den Kochtöpfen. Major Turner ist mehr beunruhigt ĂŒber die PlĂŒnderungen der Russen außerhalb des Camps als ĂŒber das Eindringen der Neger.“cite-ref-40[4.7]cite-ref-41[16]

tr-c3-bcmmer-exkursiontr-mmer-exkursionUm den Lageralltag fĂŒr die ihm anvertrauten DPs ertrĂ€glicher zu gestalten, versuchte Heath in den TrĂŒmmern von Frankfurt verwertbare GegenstĂ€nde aus zerstörten deutschen Haushalten zu finden.cite-ref-42[4.8] Hintergrund war nach Noll, dass Heath weder von der MilitĂ€rverwaltung noch von der UNRRA Werkzeuge und Arbeitsmaterialien zur VerfĂŒgung gestellt bekam, um im Lager Reparaturarbeiten vornehmen zu können. Es sei ihm trotzdem gelungen, ein Arbeitsprogramm zu entwickeln, das auf der Mitarbeit der DPs basierte und zur Einrichtung einer wachsenden Zahl von WerkstĂ€tten fĂŒhrte. FĂŒr ihre Arbeiten wurden die DPs mit Bonuspunkten (BP) entlohnt, fĂŒr die sie innerhalb des Lagers ihrerseits Waren und Leistungen bezahlen konnten. „Ausgehend von diesen AnsĂ€tzen entstehen im Camp in kurzer Zeit 15 WerkstĂ€tten, zudem ein Kino, dessen Besuch mit BP bezahlt werden konnte.“cite-ref-43[1.12] DarĂŒber hinaus kam auch das Feiern nicht zu kurz. Am 1. Mai 1945 gab es eine Russische Feier, und am 3. Mai fand ein Fest aus Anlass des polnischen Nationalfeiertags statt, wĂ€hrend dessen Verlauf aus Heath’ eigener Wohnung der gesamte Kohlenvorrat gestohlen wurde.cite-ref-44[4.9] Kurz danach starben 20 Russen, weil sie Industriealkohol getrunken hatten.cite-ref-33-1[4.5] Am 17. Mai berichtete Heath davon, dass er aus Frankfurt einen Spezialisten fĂŒr Alkoholvergiftungen angefordert hatte, da inzwischen in den beiden LagerkrankenhĂ€usern 250 FĂ€lle mit Alkoholvergiftung behandelt werden mussten, verursacht durch den Genuss von mit Blei verseuchtem Alkohol.cite-ref-45[4.10] Am 31. Mai 1945 sprach er bereits von ĂŒber 800 alkoholvergifteten Russen, davon ĂŒber 350 im Lagerkrankenhaus.cite-ref-46[4.11]

Wie wenig das eigentliche Kriegsende fĂŒr die Situation im Lager eine Bedeutung hatte, geht aus Heaths Anmerkung zur bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht hervor:

„Heute hörten wir, dass Deutschland gestern in Reims kapituliert hat und dass dies in Berlin bestĂ€tigt wird. Es ist erstaunlich, welch geringen Unterschied das fĂŒr uns macht. Die Arbeit muss weitergehen. Heute Abend haben die US-Soldaten einige SchĂŒsse in die Luft abgegeben, um zu feiern, aber das war alles.“

–

Harry Heath

:

Das Tagebuch des Harry Heath

, in: Alice Noll:

Die UNRRA in Hanau

, S. 39

Innerhalb des Lagers fanden weitere Ausdifferenzierungen nach NationalitĂ€ten statt. Heath berichtete, dass die Letten, Esten und Litauer ihn am 5. Mai um getrennte UnterkĂŒnfte im russischen Lager gebeten hĂ€tten. HierfĂŒr ergab sich jedoch bald eine andere Lösung, denn die Hessen-Homburg-Kaserne, die bislang als Treibstofflager von der US Army genutzt wurde, wurde dem DP-Lager als dritter Standort innerhalb des Lamboy-Viertels zugeschlagen. Das DP-Lager erstreckte sich von nun an auf die beiden nördlich der Lamboystraße gelegenen GelĂ€nde der Hessen-Homburg- und der Hutier-Kaserne (beide getrennt durch die Ruhrstraße) sowie auf das der Hessen-Homburg-Kaserne gegenĂŒberliegende GelĂ€nde der Francois-Kaserne zwischen Lamboy- und Chemnitzer Straße. Auf diesem GelĂ€nde befanden sich „37 Wohnblocks mit WirtschaftsgebĂ€uden, Hospital, BĂŒrohĂ€usern, Lager, WerkstĂ€tten, Garagen, StallgebĂ€uden und GemeinschaftsrĂ€umen“.cite-ref-47[2.3]

| Belegungssituation des DP-Lagers Hanau (Stand 23. Mai 1945) [ 4.12 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau (Stand 23. Mai 1945) [ 4.12 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau (Stand 23. Mai 1945) [ 4.12 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau (Stand 23. Mai 1945) [ 4.12 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau (Stand 23. Mai 1945) [ 4.12 ] |
|---|---|---|---|---|
| Francois-Kaserne („polnisches Lager“) | Francois-Kaserne („polnisches Lager“) | | Hessen-Homburg-Kaserne („italienisches Lager“) | Hessen-Homburg-Kaserne („italienisches Lager“) |
| Russen | 5.500 | | Italiener | 1.027 |
| | | | Litauer | 73 |
| Hutier-Kaserne („russisches Lager“) | Hutier-Kaserne („russisches Lager“) | | Letten | 46 |
| Polen | 2.883 | | Esten | 32 |
| Jugoslawen | 87 | | Franzosen | |
| RumÀnen | 27 | | NiederlÀnder | |
| | 2.997 | | Belgier | |
| | | | | 1.178 |
| Gesamt | 9.675 | | | |

Die Tabelle zeigt, dass sich – abgesehen von italienischen – nur wenige DPs aus westlichen LĂ€ndern im Lager aufgehalten haben. Zu den italienischen DPs merkte Heath unter dem Datum 23. Mai an, dass die erste Gruppe Italiener nach Niederlahnstein aufgebrochen sei, wo sich ein spĂ€ter zur Französischen Besatzungszone gehörendes DP-Lager befand, von dem aus die Italiener ĂŒber Frankreich in ihre Heimat zurĂŒckgefĂŒhrt wurden.cite-ref-49[4.13]

Wie in vielen anderen Orten hatte die MilitĂ€rregierung auch in Hanau mit Raub, Diebstahl und weiteren kriminellen Delikten zu kĂ€mpfen, die wegen der sehr großen Zahl der DPs nur schwer in den Griff zu bekommen waren. Als eine Maßnahme, dem entgegenzuwirken und den unkontrollierten Zugang ins Lager zu unterbinden, wurde die Lagermauer zusĂ€tzlich mit Stacheldraht gesichert. Unter Berufung auf Jacobmeyer (Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen AuslĂ€nder) ging HĂ€fner jedoch davon aus, dass statistisch betrachtet „die KriminalitĂ€t bei den DPs [
] nicht höher als bei der deutschen Bevölkerung“ war.cite-ref-50[2.4]

Die Repatriierungen der Russen und Balten

Am 26. Mai 1945, einem Freitag, erwĂ€hnte Heath, dass am folgenden Sonntag erstmals 1.200 Russen – alles ehemalige Kriegsgefangene – Hanau per LKW verlassen sollten.cite-ref-49-1[4.13] Als Lagerleiter musste er bei diesen RĂŒckfĂŒhrungen dafĂŒr sorgen, „dass die RĂŒckkehrer rechtzeitig, vollstĂ€ndig und versorgt mit dem vorgeschriebenen Reiseproviant bereitstehen“. Alles andere (GruppengrĂ¶ĂŸe, Bereitstellung der Transportmittel, Terminierungen der RĂŒckreise) lag in der Verantwortung der MilitĂ€rbehörden.cite-ref-51[1.13] Vor allem die Mitwirkung bei der Repatriierung der durchweg als Russen bezeichneten Menschen, zu der aus sowjetischer Sicht (in Übereinstimmung mit dem Repatriierungsabkommen der Konferenz von Jalta) Menschen aller NationalitĂ€ten innerhalb des sowjetischen Herrschaftsbereichs zĂ€hlten, gehörte zu Heathâ€Čs konfliktreichsten Aufgaben. Auf der einen Seite standen die US-amerikanischen MilitĂ€rs, die die Repatriierungen so schnell wie möglich durchzuziehen versuchten, auf der anderen Seite die sowjetischen MilitĂ€rs, die möglichst schnell möglichst viele Menschen aus ihren Herrschaftsbereich zurĂŒckfĂŒhren wollten.cite-ref-52[17] Dazwischen standen die Menschen, die nicht in den sowjetischen Herrschaftsbereich einreisen wollten, weil sie Repressalien befĂŒrchteten oder als Baltencite-ref-53[18] nicht unter sowjetischer Herrschaft leben wollten. Heath neigte dazu, sich an die Seite der rĂŒckkehrunwilligen Lagerinsassen zu stellen und gerĂ€t dadurch in Konflikte mit den MilitĂ€rs auf beiden Seiten.

„Die Tagebuchnotizen offenbaren die zunehmende Divergenz und die sich daraus ergebenden Probleme in der Kommunikation und Zusammenarbeit beider Seiten. Doch belastet das RĂŒckfĂŒhrungsprogramm nicht allein das VerhĂ€ltnis zur amerikanischen MilitĂ€rbehörde. Als am 01. August 1945 sowjetische Offiziere im Lager erscheinen, um die baltischen DPs als SowjetbĂŒrger zu reklamieren und zwangsweise in ihre inzwischen sozialistischen HeimatlĂ€nder zurĂŒckzufĂŒhren, kommt es zum Eklat zwischen dem Zivilisten Heath und hochrangigen Offizieren aus dem Stab des höchsten russischen Verbindungsoffiziers. Dank seiner politischen und rechtlichen Kenntnisse, seiner Unerschrockenheit und klugen Strategie behauptet sich Heath in dieser Situation gegenĂŒber den sowjetischen MilitĂ€rs. Der Vorfall, der durch eine dramatische Zuspitzung der Auseinandersetzung gekennzeichnet ist, kann als Höhepunkt in Heaths Kampf fĂŒr das Recht der Lagerinsassen auf freie Selbstbestimmung und gegen ihre Inanspruchnahme durch das kommunistische Regime gelten.“

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Alice Noll

:

Einleitung und Anmerkungen zu

Die UNRRA in Hanau

, S. 11

Heath beschrieb diesen Konflikt am Beispiel des KĂŒnstlers Blaganrov, eines mit einer Französin verheirateten Ukrainers, der sich „verzweifelt bemĂŒht, nicht nach Russland zurĂŒckzukehren. So wie er sind auch andere. DemgegenĂŒber bemĂŒhen sich die meisten Russen darum, zurĂŒckgehen zu können, und wir wurden von Polen gefragt, ob es ihnen erlaubt wĂ€re, mit den Russen zu gehen.“cite-ref-46-1[4.11] Gleichwohl vermerkte Heath am 5. Juni 1945, dass nun 4.367 Russen zurĂŒckgeschickt worden seien; lediglich 360 seien noch geblieben, davon 280, „die hilflos im Krankenhaus liegen“, vermutlich die Opfer der Alkoholvergiftungen.cite-ref-54[4.14] Wie sehr sich die Belegungszahlen durch die Repatriierungsmaßnahmen verĂ€ndert hatten, zeigt ein Vergleich der Zahlen aus der obigen Tabelle mit den Zahlen, die Heath am 23. Juli 1945 in seinem Tagebuch notierte.statistik-1945

| Belegungssituation des DP-Lagers Hanau nach NationalitÀten | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau nach NationalitÀten | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau nach NationalitÀten | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau nach NationalitÀten |
|---|---|---|---|
| NationalitÀten | 23. Mai 1945 [ 4.12 ] | | 23. Juli 1945 [ 4.15 ] |
| Russen | 5.500 | | 420 |
| Polen | 2.883 | | 2.456 |
| Jugoslawen | 87 | | 41 |
| RumÀnen | 27 | | |
| Italiener | 1.027 | | 690 |
| Litauer | 73 | | 2.405 |
| Letten | 46 | | 794 |
| Esten | 32 | | 348 |
| | | | |
| Gesamt | 9.675 | | 7.154 |

Heath sprach in dem Zusammenhang von 14 NationalitĂ€ten, die im Lager vertreten seien, darunter auch zwei Chinesen. Es war jedoch nur eine Momentaufnahme, denn Mitte August 1945 schrieb er, dass trotz eines Weggangs von 450 Italienern immer noch 8.000 Menschen im Lager leben wĂŒrden, und „das sind 1.000 mehr als ordentliche Schlafstellen vorhanden sind“.cite-ref-56[4.16] Und bei den 8.000 Menschen im Lager handelte es sich in mehr als 1.000 FĂ€llen auch um Kinder.cite-ref-57[4.17]

Die Repatriierung der Russen war seit Ende Juli 1945 so gut wie abgeschlossen, so dass sich am 3. September 1945 nur noch 41 Russen im Lager aufhielten.cite-ref-58[4.18] Andererseits weist die Statistik auf eine starke Zunahme von Mensch aus den baltischen LĂ€ndern hin. Heath bezeichnete sie als „die bei weitem Wohlhabendsten und Kultiviertesten, ein hoher Prozentsatz sind Intellektuelle. Sie haben Berge an GepĂ€ck, Möbel, Autos und 84 Pferde mitgebracht.“cite-ref-55-1[4.15] Bei ihnen handelte es sich in der Mehrheit nicht um ehemalige Zwangsarbeiter, sondern um FlĂŒchtlinge, die ihre Heimat aufgrund der Annexionen durch die Sowjetunion verlassen hatten. Muriel Gardner-Heath merkte spĂ€ter an, dass sie damals große Sympathien fĂŒr diese Menschen empfunden hĂ€tten, aber nichts davon wussten, „dass viele von ihnen die deutsche Invasion in ihre LĂ€nder als Befreiung vom verhassten russischen Joch empfanden, insbesondere die Litauer und dass viele die Deutschen aktiv unterstĂŒtzte und viele den Blick abwandten bei der Massakrierung der Juden.“cite-ref-59[14.2]

Wie heikel die Baltenfrage indes warcite-ref-60[19], ergibt sich aus einem Tagebucheintrag vom 1. August 1945, in dem Heath eine Befragung durch einen hochrangigen sowjetischen Offizier festhielt, der von ihm wissen wollte, was seiner Meinung nach der Status der Balten sei.

„Ich sagte, ich dĂ€chte, dass sie [
] jetzt praktisch sowjetische StaatsbĂŒrger wĂ€ren, wenn sie in ihrer Heimat geblieben wĂ€ren, dass ich jedoch nicht den Status der Balten kennen wĂŒrde, die ihre Heimat verlassen hatten und ich mich an Anweisungen von oben erinnerte, die es mir zur Pflicht machten, sie als DPs zu behandeln, die Nahrung und Unterkunft brauchten.“

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Harry Heath

:

Das Tagebuch des Harry Heath

, in: Alice Noll:

Die UNRRA in Hanau

, S. 99

Der Hintergrund fĂŒr diese Befragung war, dass die Sowjets die Balten als sowjetische StaatsbĂŒrger betrachteten und in der Folge der Konferenz von Potsdam auf deren RĂŒckfĂŒhrung bestanden. Die WestmĂ€chte duldeten dies noch bis November 1945, bevor sie die Besetzung der baltischen Staaten durch die Sowjetunion als unrechtmĂ€ĂŸigen Akt verurteilten.cite-ref-61[1.14] Doch bereits nach seiner Befragung durch den sowjetischen Major erhielt Heath RĂŒckendeckung durch das US-amerikanische MilitĂ€r fĂŒr sein Eintreten zugunsten der baltischen FlĂŒchtlinge als DPs.cite-ref-62[4.19] Eine weitere Anerkennung wurde Heath zuteil, als am 8. September 1945 der ehemalige litauische Premier- und Außenminister Ernestas Galvanauskas, der vorgab, die meisten litauischen Camps in Deutschland besucht zu haben, auch das Lager Hanau besuchte und es als das grĂ¶ĂŸte und beste litauische Camp bezeichnete.cite-ref-63[4.20]

Der Zuwachs an Litauern, fĂŒhrte aber auch zu Spannungen zwischen ihnen und den Polen, die ihre Ursachen zum Teil im Polnisch-Litauischen Krieg hatten, zum anderen aber auch darin, dass die Polen die Litauer der Kollaboration mit den Deutschen beschuldigten. Das fĂŒhrte Anfang November 1945 dazu, dass die Polen RĂ€ume, die sie nicht mehr benötigten und deshalb den Litauern zur VerfĂŒgung stellen sollten, unbewohnbar machten. Heath bemerkte dazu:

„Die Polen haben es offensichtlich ĂŒbelgenommen, dass sie die RĂ€ume fĂŒr eine andere nationale Gruppe abgeben mussten, besonders fĂŒr die Litauer, die sie wie die Pest hassen. Sie sagen, die Litauer hĂ€tten in Polen die schmutzige Arbeit fĂŒr die Gestapo und die SS gemacht und die Polen könnten das nicht vergessen (Sie behaupten dasselbe auch von den Ukrainern).“

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Harry Heath

:

Das Tagebuch des Harry Heath

, in: Alice Noll:

Die UNRRA in Hanau

, S. 135

Die medizinische Versorgung im Lager

Wie oben schon erwĂ€hnt, erstreckte sich das DP-Lager Hanau ĂŒber drei Kasernen-Komplexe im Hanauer Lamboyviertel. Von der UNRRA und anderen Hilfsorganisationen bereitgestellte Waren zur Versorgung der Lagerbewohner wurden in einem zusĂ€tzlichen Depot in der benachbarten Chemnitzer Straße gelagert, und zur medizinischen Versorgung existierten je eine Krankenstation im russischen und im polnischen Lager. Heath plante darĂŒber hinaus bereits am 24. April 1945 die Einrichtung eines gemeinsamen Krankenhauses fĂŒr alle DPs. Die beiden Krankenstationen sollten als Ambulanzen erhalten bleiben und alleine die Berechtigung erhalten, DPs in das noch zu errichtende Krankenhaus einzuweisen.cite-ref-64[4.21] Letzteres wurde bis Ende 1945 in der Lamboystraße 54 eröffnet und anschließend stetig erweitert. Dieses neue Krankenhaus verfĂŒgte ĂŒber einen Operationsraum fĂŒr große Operationen und ĂŒber eine Zahnklinik. Hier war auch das zentrale Krankenhausmagazin untergebracht, von dem aus drei Lagerapotheken versorgt wurden.cite-ref-65[4.22]

Die medizinische Leitung oblag dem französischen UNRRA-Team-Mitglied Pierre Clement, dem laut dem Coler-Reportcite-ref-coler-report-66-0[20] Ende 1945 27 Ärzte aus den Reihen der DPs zur Seite standen. Coler war der Meinung, dass trotz der vergleichsweise guten Ausstattung des Hanauer Krankenhauses dieses ĂŒberfordert war mir der Versorgung von etwa 8.500. Personen. Coler kritisierte auch die totale Überbelegung des Lagers und schlug die Verlegung von 1.000 Personen und die Zuteilung von ausreichendem Baumaterial vor.cite-ref-67[20.1] Zur ErnĂ€hrungssituation merkte Coler an, dass die Lagerkantine „morgens nur Kaffe anbieten [kann] und zu Mittag Suppe. Die DPs erhalten Lebensmittel zur eigenen Zubereitung. Zentrale SpeiserĂ€ume fehlen [
]. Da sie den grĂ¶ĂŸten Teil ihrer Nahrung selber zubereiten, liegt dies außerhalb einer angemessenen Kontrolle“. Seiner Meinung nach hat das Lager Hanau „die grĂ¶ĂŸten Probleme im Gebiet Groß-Hessen“; Möglichkeiten zu einer Verbesserung der Situation beurteilte er skeptisch und mahnt vor allem eine bessere Unterbringungsmöglichkeiten an.

„Das ist an erster Stelle eine Angelegenheit des MilitĂ€rs. ArbeitskrĂ€fte können vom Camp gestellt werden, aber Spengler-Bedarf und Handwerkszeug mĂŒssen von außen kommen. Man kann nicht die mangelnde Sauberkeit kritisieren, wenn keine Besen und BĂŒrsten ausgeteilt werden und Reinigungsmittel in ausreichender Menge fehlen.“

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H. Robert Coler

:

Medizinische Situation im Lager Hanau

, S. 162

Probleme der Materialbeschaffung

Das vorstehende Coler-Zitat beschreibt exakt die Probleme, mit denen sich Harry Heath in den vergangenen Monaten auseinandersetzen musste. Ihm war es gelungen, 15 WerkstĂ€tten im Lager einzurichten, er verfĂŒgte ĂŒber Menschen, die Reparaturarbeiten ausfĂŒhren konnten und wollten, aber es fehlte an den erforderlichen Materialien. TrĂŒmmer-Exkursionen von ihm und seiner Frau wurden oben schon erwĂ€hnt, und Muriel Gardner-Heath beschrieb noch einmal eindringlich, was es hieß, ohne UnterstĂŒtzung der Armee und der UNRRA das, was sie fĂŒr die WerkstĂ€tten brauchten, zu „erbetteln, aus[zu]leihen oder [zu] schnorren“.cite-ref-68[14.3] Dass dabei auch kulturelle Differenzen zwischen Amerikanern und Briten zu Tage traten, verdeutlicht ihr Bericht ĂŒber eine Beschaffungsaktion auf einer Abfalldeponie der US-Armee. Die Aktion bedurfte allerdings vorab der ausdrĂŒcklichen Genehmigung durch den Standortkommandeur.

„1945 lebten wir noch nicht in der Wegwerfgesellschaft, wir bemĂŒhten uns, dass die Dinge lange hielten. Anders allerdings die Amerikaner. Statt GegenstĂ€nde zu reparieren, rangierten sie alles aus und kauften Neues. Daher waren ihre MĂŒllhalden eine wahre Schatzkammer. So ließen wir unseren Laster von bestimmten Handwerkern beladen, von denen jeder die Anweisung hatte, das zu suchen, was fĂŒr sein Handwerk zu gebrauchen war. Man kann eine Menge Zeug auf einen Armee-Laster packen. Sie kamen zurĂŒck mit Latten, elektrischen SĂ€gen, Radioteilen jeder Art, Metallschneidemaschinen usw. Der Fahrer erzĂ€hlte meinem Mann, dass der wachhabende MilitĂ€rpolizist ihm nicht den Passierschein abgenommen habe und so schickten wir den Laster am nĂ€chsten Tag erneut aus und auch am folgenden Tag wieder und wir bargen auf diese Weise im ganzen zehn Wagenladungen, bevor ein MilitĂ€rpolizist aufmerksam wurde, den Passierschein einzog und sagte, er sei nur fĂŒr eine Fuhre. So hĂ€uften wir einen großen Vorrat an wertvollem Material an. Das hatte noch einen weiteren Vorteil: Wenn ein Mann etwas repariert hatte, war er von da an stolz auf sein Können und es half ihm, eine persönliche Bindung an die Werkstatt zu entwickeln.“

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Muriel Gardner-Heath

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RĂŒckblick

, in: Alice Noll:

Die UNRRA in Hanau

, S. 154

Überregionale Dienstleistungen

Der Hanauer Bahnhof war ein wichtiger Knotenpunkt im Rahmen der RĂŒckfĂŒhrung der DPs. Hier kamen Transport-ZĂŒge an oder wurden neu zusammengestellt, und fĂŒr die Betreuung der transportierten Menschen war ebenfalls die UNRRA zustĂ€ndig. Die Aufgabe wurde Anfang Juni 1945 Team 27 ĂŒbertragen, das dafĂŒr jeweils zwei russische Ärztinnen und Krankenschwestern zugeteilt bekommen sollte. Heath benutzte fĂŒr diesen Dienst die im MilitĂ€rjargon ĂŒbliche Bezeichnung F.A.P.-Service in Anspielung auf die wichtigsten Verrichtungen bei den Fahrtunterbrechungen: Versorgung mit GetrĂ€nken und warmen Suppen (Food) sowie (And) Gelegenheit zu einem Toilettengang (Piss).cite-ref-69[4.23] Am 24. Juni berichtete er, dass allerdings nur eine Ärztin und eine Krankenschwester zugeteilt worden seien und dass es zudem Probleme mit einer ebenfalls am Bahnhof stationierten Ambulanz gĂ€be, die aber nicht der UNRRA, sondern einer militĂ€rischen Einrichtung unterstellt sei.cite-ref-70[4.24]

Welche zusĂ€tzliche Probleme der Bahnhofsdienst fĂŒr Heath und sein Team mit sich brachte, belegen zwei EintrĂ€ge. So wurde Heath am 3. Juli 1945 zum Bahnhof gerufen, weil dort angeblich 2.000 DPs lagerten und den Bahnverkehr blockierten. Es stellte sich aber heraus, dass es sich bei der Mehrheit der Menschen um Deutsche handelte, die nach der sowjetischen Übernahme der Verwaltung in ThĂŒringen in den Westen geflohen waren. Heath freute sich, dass er aus diesem Kontingent nur wenige DPs in sein Lager ĂŒbernehmen musste und organisierte zusammen mit dem MilitĂ€r den Weitertransport der deutschen FlĂŒchtlinge.cite-ref-14-1[4.3] Am 15. Juli sah sich Heath erneut mit etwa 2.500 deutschen FlĂŒchtlingen am Bahnhof konfrontiert, die dort schon mehrere Tage campierten und nur notdĂŒrftig versorgt waren, aber nicht in seinen ZustĂ€ndigkeitsbereich fielen.

Am Nachmittag des zuvor erwĂ€hnten 3. Juli 1945 fand noch ein GesprĂ€ch mit der MilitĂ€rverwaltung statt, bei dem Heath die Idee abwehren konnte, das Hanauer Lager wegen seiner Nachbarschaft zum wichtigen Eisenbahnknotenpunkt zu einem reinen Durchgangslager zu machen. (Heath: „Ich will kein ReisebĂŒro werden.“) Stattdessen wurde beschlossen, die Francois-Kaserne und die Hutier-Kaserne als feste Lager einzurichten und nur die Hessen-Homburg-Kaserne als Durchgangslager zu nutzen. Um 20 Uhr erhielt er dann die Nachricht, dass einige Hundert Menschen am Bahnhof stĂŒnden, die ins Lager gebracht werden mĂŒssten. Es war einer der ersten Litauer-Transporte.cite-ref-71[4.25]

Der Eisenbahnknoten Hanau spielte auch eine wichtige Rolle bei der Versorgung der MilitĂ€reinrichtungen und der UNRRA „und fungierte neben NĂŒrnberg, Knielingen (nahe Karlsruhe) und Schleißheim (bei MĂŒnchen) als eines der 4 großen Warenlager fĂŒr MilitĂ€reinrichtungen (Forage Depot) und daneben als zentrales UNRRA-Depot“ fĂŒr die DP-Lager im UNRRA-District 2. Auf einem der Francois-Kaserne benachbarten GelĂ€nde des ehemaligen Proviantamtes wurden hierfĂŒr von Oktober 1945 bis MĂ€rz 1946 neue Lager errichtet, an deren Herstellung 450 DPs gegen Entlohnung mitwirkten. Das GelĂ€nde verfĂŒgte ĂŒber eigene GleisanschlĂŒsse.cite-ref-72[1.15]cite-ref-73[21] Neben dem Zentrallager war hier auch das eigene Lager fĂŒr Hanau angesiedelt und die LagerbĂ€ckerei, in der vor allem litauische DPs arbeiteten.cite-ref-74[4.26]

DPs als ArbeitskrÀfte

Dass DPs gegen Entlohnung zu Arbeiten herangezogen wurden, wie zuvor am Beispiel des Warenlagers erwĂ€hnt, war keine Ausnahme. Sie wurden innerhalb des Lagers eingesetzt, aber auch fĂŒr stĂ€dtische Arbeiten außerhalb des Lagers.cite-ref-75[4.27] Eingangs wurde bereits auf die Bedeutung der lagerinternen Arbeitsprogramme hingewiesen, die eine doppelte Funktion hatten: Hilfe zur Selbsthilfe, auch mit dem Ziel, den DPs Hilfen zur Strukturierung ihres Lageralltags zu geben, dann aber auch schiere Notwendigkeit. Der oft desolate Zustand der UnterkĂŒnfte und die gesamte Versorgung innerhalb des Lagers bis hin zur medizinischen Betreuung hĂ€tte ohne die Mithilfe der DPs nicht aufrechterhalten werden können. Die eigene Infrastruktur hierfĂŒr bildeten die 15 WerkstĂ€tten, und letztlich wurde dadurch der Grundstein fĂŒr das lagereigene Berufsbildungszentrum gelegt, das bereits auf eine Wiedereingliederung nach dem Lageraufenthalt zielte.cite-ref-76[1.16]

Nach Noll war es bereits in der FrĂŒhphase der DP-Lager „das Ziel von MilitĂ€rverwaltung und UNRRA, allen DPs wĂ€hrend ihres Lageraufenthaltes zu bezahlter Arbeit zu verhelfen. Möglichkeiten dazu sieht man bei militĂ€rischen Einrichtungen, kommunalen Stellen und auch in deutschen Betrieben.“ Nachdem die MilitĂ€rverwaltung im Juli 1945 die Stadt aufgefordert hatte, insbesondere zur Beseitigung der KriegsschĂ€den ihren Bedarf an Bauhandwerkern, Arbeitern und landwirtschaftlichen Helfern zu melden, orderte diese "1.100 Bauarbeiter[.], zehn LKWs, zehn Doppelgespanne[.] und vier Einzelpferde[.]. Der Landkreis lĂ€sst wissen, dass er 178 landwirtschaftliche Arbeiter, 141 Pferde, 43 Bauernwagen und 15 LKWs benötigt.cite-ref-77[1.17] Umgekehrt war es so, dass deutsche Unternehmen nur ausnahmsweise im Lager Arbeiten durften und dabei nach Möglichkeit auch auf DPs als ArbeitskrĂ€fte zurĂŒckgreifen sollten.cite-ref-78[1.18] Andererseits sah sich Heath aber auch dem Vorwurf der MilitĂ€rverwaltung ausgesetzt, er wĂŒrde zu viele DPs im Lager beschĂ€ftigen. Er bestritt dies und hielt die Anzahl von etwa 800 – Stand Mitte Oktober 1945 – fĂŒr angemessen.cite-ref-79[4.28] Noll sieht hinter dem Vorwurf seitens des MilitĂ€rs eine inzwischen geĂ€nderte politische Vorgabe, nach der es lĂ€ngerfristige BeschĂ€ftigungen von DPs zu unterbinden gelte, „da sie die Repatriierung verzögern oder gar verhindern könnte“.cite-ref-80[1.19]

Bildung

Oben wurde schon erwĂ€hnt, dass sich im Lager auch etwa 1.000 Kinder aufhielten. Sie befanden sich aus den unterschiedlichsten GrĂŒnden im Lager.

„Außer Kindern in der Obhut von Familien, Freunden und Landsleuten halten sich im Lager auch unbegleitete Kinder als Opfer des NS-Regimes auf. Zum Teil wurden sie als sogenannte „rassisch wertvolle“ Kinder in den von Deutschen besetzten Gebieten ihren Eltern entrissen oder aus WaisenhĂ€usern verschleppt, mit dem Ziel sie „einzudeutschen“, zum Teil gingen sie verloren, wurden getrennt oder sind Kinder verstorbener Zwangsarbeiter. Aus Kinder- und Jugendheimen, WaisenhĂ€usern, Heilanstalten und KrankenhĂ€usern werden sie nach dem Einzug der alliierten Truppen in das DP-Lager gebracht.“

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Alice Noll

:

Einleitung und Anmerkungen zu

Die UNRRA in Hanau

, S. 111, Anmerkung 127

Nach Noll gestaltete sich besonders die Betreuung, Registrierung und Identifizierung der unbegleiteten Kinder sehr schwierig. Solange ihre persönlichen IdentitÀt nicht geklÀrt werden konnte, verblieben sie im Lager und erhielten hier eine auf ihr jeweiliges Alter abgestimmte Betreuung:

‱ Kinder ab dem dritten Lebensjahr besuchten den Kindergarten;
‱ vom sechsten Lebensjahr an konnten sie die Schule besuchen: entweder die vierjĂ€hrige Grundschule oder die ebenfalls auf vier Jahre ausgelegte Oberstufe;
‱ fĂŒr Jugendliche bestanden Möglichkeiten fĂŒr eine berufliche Ausbildung.
‱ Daneben musste sich auch um die physischen und auch psychischen Probleme der Kinder und Jugendlichen gekĂŒmmert werden. DafĂŒr standen unter anderem PlĂ€tze in einem Sanatorium in Bad Orb zur VerfĂŒgung.

FĂŒr die Kinder und Jugendlichen existierten laut Noll zwei Optionen:

‱ Sofern ihre Identifizierung möglich war, verließen sie das Lager und wechselten in ein UNRRA-Kinderzentrum. Hier konnten sie, sofern sie das wollten, auf ihre RĂŒckkehr in die Heimat vorbereitet werden, oder auf eine Emigration.
‱ War eine Identifizierung nicht möglich, wurden sie in ein UNRRA-Waisenhaus ĂŒberstellt, wo sie bis zu ihrer Emigration oder Adoption bleiben konnten.

Wie vieles andere im Lager, war auch die schulische Bildung im Lager streng nach NationalitĂ€ten getrennt organisiert. Die erste von Heath erwĂ€hnte Schule war die polnische, die am 8. Mai 1945 den Unterricht aufnahm.cite-ref-81[4.29] Am 14. Mai 1945 folgte die russische Schule, in der rund 100 SchĂŒler unterrichtet wurden.cite-ref-82[4.30] Am 27. Juni erwĂ€hnt er anlĂ€sslich einer Besprechung mit allen Lehrern, diese Existenz von zwei Schulen fĂŒr Kinder bis 14 Jahre und einen Kindergarten.cite-ref-83[4.31] Letzterer war Ende Mai eingerichtet worden und hatte Heath einige Skrupel bereitet. Der Grund dafĂŒr war, dass die Sachen fĂŒr den Lagerkindergarten in einem deutschen Kindergarten in Langenselbold konfisziert werden mussten und Heath dabei feststellte, „was fĂŒr eine hĂ€ssliche Sache es war, Dinge aus einem deutschen Kindergarten wegzuschaffen, obwohl ich wusste, dass es fĂŒr andere Kinder sein sollte. Ich kam mir vor wie ein Schwein.“cite-ref-84[4.32] Heath hielt die Bildungseinrichtungen im Lager indes fĂŒr wichtig wegen ihrer Wirkung auf Besucher von außerhalb, weil „die immer außerordentlich beeindruckt sind von den Liedern, welche die Kinder fĂŒr sie singen. Die Kirche ist ebenfalls eine große Attraktion wie auch die Pfadfinder.“cite-ref-83-1[4.31]

Am 9. Juli 1945 fand mit einer kleinen Feier die Eröffnung der litauischen Schule stattcite-ref-85[4.33], und am 24. Juli 1945 erwĂ€hnte Heath auch die Existenz einer estnischen und einer lettischen Schule.cite-ref-86[4.34] Am 9. August 1945 fand die Eröffnung einer litauischen Oberschule stattcite-ref-87[4.35], und Alice Noll erwĂ€hnt in diesem Zusammenhang, dass im Lager 13 Schulen existieren wĂŒrden: fĂŒr jede nationale Gruppe ein Kindergarten, eine Grundschule und eine Oberstufenschule. ZusĂ€tzlich existiere eine UniversitĂ€tsklasse.cite-ref-88[1.20] Da zu diesem Zeitpunkt kaum noch russische DPs im Lager lebten, muss es sich vermutlich um Schulen fĂŒr polnische SchĂŒler und um Einrichtungen fĂŒr die drei baltischen Nationen gehandelt haben. Letzteres belegt auch eine Statistik von Bernstein, die Belegungszahlen fĂŒr die KindergĂ€rten, Volksschulen und Gymnasien aufzeigt, allerdings als vierte NationalitĂ€tengruppe die Ukrainer nennt. Da er keine zeitliche Zuordnung vornahm, ist es aber fraglich, ob das auch schon fĂŒr das Jahr 1945 galt, wo sich noch relativ viele Polen im Lager aufhielten.cite-ref-89[11.2]

Am 23. August 1945 erwĂ€hnte Heath in seinem Tagebuch auch die Existenz einer UniversitĂ€tsklasse.cite-ref-57-1[4.17] Da die Hanau am nĂ€chsten gelegene UniversitĂ€t, die Goethe-UniversitĂ€t in Frankfurt am Main, zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder eröffnet war, dĂŒrfte es sich bei dieser UniversitĂ€tsklasse um einen Vorbereitungskurs auf das Studium gehandelt haben. Als die UniversitĂ€t aber am 1. Februar 1946 wieder den Betrieb aufnahm, musste sie – analog zu allen UniversitĂ€ten der britischen und amerikanischen Besatzungszonen – mindestens zehn Prozent der StudienplĂ€tze fĂŒr Studierende aus dem Kreis der DPs bereitstellen. „In HĂ€rtefĂ€llen, wozu etwa ehemalige KZ-Insassen zĂ€hlten, mussten die UniversitĂ€ten die Immatrikulation auch ohne eine gesonderte AufnahmeprĂŒfung zulassen.“cite-ref-e-lecointe-90-0[22] Einer der ersten, der sich als DP zum Studium in Frankfurt entschlossen hatte, war der oben schon erwĂ€hnte Aron Bernstein, der fĂŒr seine Dissertation zwar ĂŒber das DP-Lager Hanau forschte, von dem aber nicht bekannt ist, ob er auch in diesem Lager lebte. FĂŒr viele andere Hanauer, vor allem Litauer, konnte Lecointe dies aber anhand der MatrikelbĂŒcher nachweisen, und sie verwies auch auf den Fall eines litauischen WiderstandskĂ€mpfers, der nach seiner Befreiung aus einem in Lettland gelegenen Konzentrationslager im Hanauer DP-Lager gelandet war. Nach Lecointe ermöglichte ihm ein Schreiben des Lagerleiters, von Harry Heath also, sich 1946 ohne eine AufnahmeprĂŒfung in Frankfurt zum Medizinstudium einzuschreiben. FĂŒr dieses Studium hĂ€tten sich die meisten Litauer entschieden.cite-ref-e-lecointe-90-1[22]

Aus der Sicht der BesatzungsmĂ€chte sollte das Studium an einer UniversitĂ€t in Deutschland – dazu zĂ€hlte auch das Studium an der UNRRA-UniversitĂ€t MĂŒnchen im Deutschen Museumcite-ref-91[23] oder das Studium an der Baltischen UniversitĂ€t in Hamburg und spĂ€ter in Pinneberg – auf eine Zukunft außerhalb Deutschlands vorbereiten, entweder im Heimatland oder in der Emigration.cite-ref-92[24] SpĂ€testens ab 1949 sah die IRO aber in einem Studium in Deutschland eher ein Hindernis fĂŒr die Repatriierung oder die Emigration und drĂ€ngte die DPs dazu, ihr Studium zu beenden.cite-ref-93[25] Nachdem sich 1948 14 Staaten zur Aufnahme von FlĂŒchtlingen bereiterklĂ€rt hatten, mussten die noch verbliebenen DP-Studenten nach 1950 auf internationale UnterstĂŒtzung verzichten und unterstanden von da an den Behörden der Bundesrepublik.cite-ref-e-lecointe-90-2[22]

Durch die BemĂŒhungen von Heath und seinem Team, den DPs durch Arbeitsprogramme aktuell eine BeschĂ€ftigungsmöglichkeit zu verschaffen und lĂ€ngerfristig dadurch auch eine berufliche Perspektive, erweckten sie die Aufmerksamkeit ĂŒbergeordneter UNRRA-Stellen, die nach Lagern suchten, in denen Berufsbildungseinrichtungen fĂŒr DPs geschaffen werden könnten. Um das damit verfolgte Ziel der Wiedereingliederung durch berufliche Qualifikation realisieren zu können, hatte die UNRRA im November 1945 mit der Organisation ORT geschlossen.cite-ref-noll-75-94-0[26] Dieser sah eine Arbeitsteilung zwischen UNRRA und ORT vor:

‱ Die UNRRA sollte den Kontakt mit den MilitĂ€rbehörden ĂŒbernehmen sowie die Vermarktung der produzierten Waren.
‱ Die ORT war zustĂ€ndig fĂŒr die Ausstattung mit Maschinen, GerĂ€ten und Arbeitsmaterial, die Erstellung des Ausbildungsprogramms und den Einsatz erfahrener Spezialisten (darunter auch qualifizierte DPs).

Im Februar 1946 wurde in Hanau mit der Umgestaltung von GebĂ€uden auf dem KasernengelĂ€nde begonnen, um diese fĂŒr die WerkstĂ€tten herzurichten. Die ORT schickte zum Aufbau des Berufsbildungszentrums GerĂ€te aus ihren Lagern in Holland und Paris und zusĂ€tzlich 50 mobile WerkstĂ€tten aus Kanada.cite-ref-noll-75-94-1[26] Weitere UnterstĂŒtzung kam vom American Committee for Christian German Refugees (ACCR), das Geld fĂŒr den Kauf von Material und weiteren GerĂ€ten zur VerfĂŒgung stellte. „Ende Mai 1946 erfolgt die offizielle Eröffnung des Berufsbildungs- und BeschĂ€ftigungszentrums mit AusbildungsgĂ€ngen unter anderem in Holzverarbeitung, Installation, Industriezeichnen, Schneiderhandwerk, Autoreparatur und Kunsthandwerk.“cite-ref-noll-75-94-2[26]

Bernstein, der in Bezug auf die Hanauer Berufsbildungseinrichtungen von Fachschulen sprach, gab am Beispiel der Kurse fĂŒr die litauischen Lagerinsassen einen differenzierten Überblick ĂŒber die Kurse und deren Belegung zwischen 1946 und 1948.

| Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] | Berufsbildungskurse fĂŒr litauische DPs im Lager Hanau [ 11.3 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Art des Kurses | Dauer / Monate | | Jahr | Teilnehmer- zahl | | Jahr | Teilnehmer- zahl | | Jahr | Teilnehmer- zahl |
| Lehrerkurs | 5 | | 1946 | 14 | | | | | | |
| Buchhalterkurs | 3 | | 1946 | 23 | | 1947 | 108 | | | |
| Englisch | 6 | | 1946 | 118 | | 1947 | 16 | | | |
| Französisch | 6 | | 1946 | 34 | | 1947 | 24 | | | |
| Schwesternkurs | 12 | | 1946 | 22 | | | | | | |
| Schneiderkurs | 3 | | 1946 | 101 | | 1947 | 68 | | 1948 | 27 |
| Forstwirtschaftskurs | 6 | | 1946 | 37 | | | | | | |
| Automechanikerkurs | 6 | | 1946 | 52 | | | | | | |
| Fahrschule | 5 | | 1946 | 40 | | | | | | |
| Malkurs | 6 | | 1946 | 16 | | | | | | |
| Elektroinst.-Kurs | 6 | | | | | 1947 | 66 | | | |
| Radiotechnik | 6 | | | | | 1947 | 40 | | 1948 | 21 |
| Uhrmacherkurs | 12 | | | | | 1947 | 14 | | 1948 | 38 |
| Spanisch | 6 | | | | | 1947 | 28 | | | |
| Deutsch | 6 | | | | | 1947 | 70 | | | |
| Musik | o. A. | | | | | 1947 | 38 | | | |
| | | | | | | | | | | |
| Gesamt / Jahr | | | 1946 | 457 | | 1947 | 472 | | 1948 | 86 |

Nach Bernstein wurden fĂŒr die „lettische, estische und ukrainische Lagerbevölkerung [
] Ă€hnliche Fachkurse abgehalten [
], wenn auch nicht in der gleich grossen Zahl wie fĂŒr die Litauer“.cite-ref-96[11.4] Abweichend von Alice Noll erwĂ€hnte er allerdings als TrĂ€ger der Kurse „die katholische Organisation WTC“.cite-ref-95-1[11.3] FĂŒr deren Existenz lassen sich aber keine Nachweise finden.cite-ref-97[27]

Kulturelle AktivitÀten

Am 1. Mai 1945 berichtete Heath zum ersten Mal ĂŒber die Teilnahme an einer von den DPs organisierten Feier im Lager. Auch das Feiern fand ĂŒberwiegend getrennt nach NationalitĂ€ten statt, und dieser erste Besuch galt einer russischen Veranstaltung.cite-ref-98[4.36] Von da an zieht sich die Teilnahme an Feiern wie ein roter Faden durch Heaths Tagebuch: Nationalfeiertage, kirchliche Feiertage, Gottesdienste, Sportfeste, Konzerte. Die oben schon erwĂ€hnten Alkoholexzesse scheinen mit der Repatriierung der Russen weniger heftig ausgefallen zu sein, wenngleich es im Lager „viele illegale Destillerien“ gab und das Team gar einen Biergarten eröffnete, „wo wir das Trinken ĂŒberwachen konnten“. Auch fĂŒr die zahlreichen Feiern scheint es den DPs immer wieder gelungen zu sein, alkoholische GetrĂ€nke aufzutreiben oder herzustellen – Weincite-ref-99[4.37] ebenso wie selbstgebrannten Kartoffelschnaps, dessen Basismaterial nicht selten deutschen Bauern entwendet worden war.cite-ref-100[14.4] Auch Kuchen wurde bei den Festen angeboten, und am 25. Juli 1945 berichtete Heath von einem russischen Fest, bei dem es „mĂ€chtige Torten und Salate“ gab, aber auch selbstgemachtes Speiseeis. „Wie sie all das geschafft haben, weiß ich nicht, aber es war wirklich beeindruckend.“cite-ref-101[4.38]

Da weder die Zwangsarbeiter noch die Insassen der Konzentrationslager heiraten durften, gab es nach der Befreiung vielfach den Wunsch, eingegangenen Beziehungen zu legalisieren. FĂŒr Heath war es deshalb „ein großer Tag“, als am 19. Mai 1945 44 Paare in der polnischen Kirche von einem amerikanischen Armee-Geistlichen getraut wurden und aus diesem Anlass ein großer Empfang stattfand. „Die jungen Frauen hatten alle weißen Stoff gefunden und wunderschöne Hochzeitskleider daraus gemacht, besetzt mit Stoffblumen oder mit Zweigen. Sie waren erstaunlich. SpĂ€ter begleiteten wir die zwei Paare, die fĂŒr das Hochzeitsessen – gekochtes Dosenfleisch, Makkaroni und Apfelsaft zum Trinken – alles durchforstet hatten.“cite-ref-102[4.39]

Neben den Hochzeitskleidern spielte neue Kleidung auch bei der ersten Erstkommunion im Lager eine wichtige Rolle. Das Lager hatte Anfang Juli 1945 eine große Ladung Kleidung aller Art und Stoffe aus verschiedenen Depots erhaltencite-ref-103[4.40] und sie an die DPs verteilt. So konnten die 60 Jungen und MĂ€dchen, die am 29. Juli 1945 zur Erstkommunion in der Lagerkirche gingen, in neuen AnzĂŒgen und Kleidern auftreten. „Die MĂ€dchen trugen die traditionellen Kleider in brĂ€utlichem Weiß mit hĂŒbschen KrĂ€nzen aus weißen Blumen im Haar, wĂ€hrend die Jungen neue blaue Jacken und weiße Hemden mit offenem Kragen anhatten. Jeder trug eine brennende Kerze, was sehr beeindruckend war, als sie alle zusammen in der Kirche saßen.“cite-ref-104[4.41]

Schon bei der zuvor erwĂ€hnten Massenhochzeit hatte ein Orchester zum Tanz aufgespielt, und ebenso fanden auch Konzerte statt, sogar mit GĂ€sten von außerhalb. So fand am 29. Juli auch ein gemeinsames Konzert der Polen mit einem amerikanischen MĂ€nnerchor statt, „der religiöse und ernsthafte Lieder vortrug“.cite-ref-105[4.42] Derartige Kontakte zur US-Armee waren bei anderen Gelegenheiten nicht so gerne gesehen. So stießen die Einladungen einiger Offiziere an polnische Frauen zur Teilnahme an Tanzveranstaltungen auf starke Ablehnung. „Das mögen die polnischen Qffiziellen im Lager nicht, da sie befĂŒrchten, dass die Frauen sich gehenlassen und eine Flut amerikanischer Soldaten im Camp auftaucht auf der Suche nach Frauen.“cite-ref-106[4.43] Die Polen klagten auch ĂŒber alkoholisierte US-Soldaten, die nicht nur nach Frauen suchten, sondern „um Dampf abzulassen kleine Schießereien“ veranstalteten. Heath fĂŒhlte sich bei der Vermeidung derartiger VorfĂ€lle vom MilitĂ€r nicht ausreichend unterstĂŒtzt.cite-ref-107[4.44]

Eine große Bedeutung innerhalb des Lagers hatte das Theater. Es war von den Russen in einem großen Stall eingerichtet worden und verfĂŒgte ĂŒber ein Podest fĂŒr die AuffĂŒhrungen. Bei seiner Eröffnung am 18. Mai 1945 wohnten mehr als 1.500 Zuschauer der AuffĂŒhrung bei.cite-ref-108[4.45] Nach dem Wegzug der Russen hatten die Polen das Theater ĂŒbernommen, „die BĂŒhne umgebaut, einen Orchestergraben geschaffen und einen ansteigenden Boden fĂŒr das Publikum“.cite-ref-109[4.46] Nach Heaths Worten geschah das alles ohne sein Wissen und gegen seine Intentionen. Er wollte kein „polnisches Theater“, sondern eine internationale Einrichtung. Ob es jedoch zu der von ihm gewĂŒnschten internationalen Veranstaltung mit hochrangigen GĂ€sten von außerhalb des Lagers gekommen ist, ist dem Tagebuch nicht zu entnehmen. Heath erwĂ€hnte stattdessen immer wieder Veranstaltungen der verschiedenen NationalitĂ€ten innerhalb des Lagers im „polnischen Theater“.

Im Lager gab es sportliche WettkĂ€mpfe zwischen den einzelnen NationalitĂ€ten, und am 15. September 1945 fand ein von den Letten organisiertes Sportfest statt, an dem Sportler aus dem Hanauer Lager und aus sechs weiteren Lagern teilnahmen. Sie traten in den Disziplinen Laufen, Weitsprung, Volleyball, Basketball und Boxen gegeneinander an. Aus Anlass des Festes hatten die Letten nach Meinung von Heath auch „eine phantastische Ausstellung“ organisiert, in der sie zum einen lettische Kunst zeigten, die sie mit ins Lager gebracht hatten (unter anderem Trachten, Webereien, Teppiche, Metallarbeiten und Schmuck), zum anderen Kunst, die im Lager selber entstanden war, darunter Bilder und „kunstvolle MöbelstĂŒcke“.cite-ref-110[4.47]

Zum Kulturangebot im Hanauer Lager gehörten auch das bereits erwĂ€hnte Kino und Zeitungen. Wiederum getrennt nach NationalitĂ€ten gab es Zeitungen fĂŒr die baltischen DPs (darunter die litauischen Zeitungen Hanau Lietuviai und Ziburiai) und zwei fĂŒr die polnischen DPs (Tygodnik Polski und Maly Polsk). Die beiden litauischen Zeitungen erschienen erstmals 1946, und 1947 fand in Hanau auch ein Kongress der litauischen Journalistengesellschaft im Exil statt.cite-ref-111[28] Die beiden polnischen Zeitungen wurden „in einer Auflage von 70.000 StĂŒck fĂŒr Groß-Hessen in Frankfurt gedruckt und regelmĂ€ĂŸig nach Hanau ausgeliefert“.cite-ref-112[1.21]

Nach Alice Noll ließ Heath im lagereigenen Kino fĂŒr Lagerbewohner und Besucher von außerhalb Unterhaltungsfilme vorfĂŒhren. Die Eintrittsgelder dienten dann dazu, Handwerkszeug und GerĂ€te fĂŒr die WerkstĂ€tten zu beschaffen. „Das Lagerkino ist an sieben Tagen in der Woche in Betrieb mit tĂ€glich vier VorfĂŒhrungen. Die Kinder kommen am Nachmittag und jede NationalitĂ€t hat ihren eigenen Kinotag.“cite-ref-113[1.22]

Das Lagerkino hatte aber ĂŒber seine Unterhaltungsfunktion hinaus auch noch eine politische Funktion. Es sollte auf Druck der MilitĂ€rverwaltung durch Wochenschauinformationen und patriotisch oder nostalgisch gefĂ€rbte Filme gezielt ein positives Bild von der Situation in den HeimatlĂ€ndern der DPs zeichnen und so indirekt Druck auf diese ausĂŒben, sich repatriieren zu lassen. Heath widersetzte sich diesen Strategien nicht, hatte aber bei den Polen und vor allem den Balten mit ihr nur geringen Erfolg. Das baltische Lagerkomitee, das eine RĂŒckkehr in die inzwischen unter sowjetische Herrschaft stehende alte Heimat strikt ablehnte, verbot „kurzerhand den Besuch der Filme, die den Wunsch wecken könnten zurĂŒckzukehren. Als Heath dennoch auf dem Kinobesuch besteht, erscheinen etwa fĂŒnfzig Balten, die, wie sich spĂ€ter herausstellt, vom Lagerkomitee ausgesucht wurden, da sie als unbeeinflussbar gelten. WĂ€hrend der KinovorfĂŒhrung patrouilliert die Lagerpolizei durch das Camp, um sicherzugehen, dass das Kinoverbot von den restlichen Balten eingehalten wird.“cite-ref-113-1[1.22]

Dieser Widerstand gegen die Repatriierungsmaßnahmen ist auch ein Zeichen dafĂŒr, dass sich Hanau schon in einem Wandlungsprozess befand und sich von einem Durchgangslager in eine permanente Einrichtung weiterentwickelte. Heath berichtete von einem ersten GesprĂ€ch darĂŒber bereits am 30. Juni 1945cite-ref-114[4.48], und Noll geht davon aus, dass nach etwa drei Monaten die Repatriierungsphase abgeschlossen gewesen sei. Der harte Kern, der sich weiteren Repatriierungen widersetzte, waren die Polen und die Balten, fĂŒr die Lösungen jenseits einer zwangsweisen RĂŒckfĂŒhrung gefunden werden mussten, zum Beispiel Auswanderung in ein Drittland oder auch der Verbleib in Deutschland.cite-ref-115[1.23]

Die Jahre 1946 bis 1950

Wie oben schon erwĂ€hnt, endeten die Tagebuchaufzeichnungen von Harry Heath mit dem 31. Dezember 1945, obwohl er noch lĂ€ngere Zeit Lagerleiter blieb. Alle weiteren Informationen ĂŒber das DP-Lager stammen danach ĂŒberwiegend aus der Dissertation von Aron Bernstein, dessen primĂ€res Interesse den GesundheitsverhĂ€ltnissen im Lager galt.cite-ref-116[11.5] Seine Untersuchung setzte 1946 ein, zu einem Zeitpunkt also, zu dem die Russen nur noch eine Minderzahl bildeten. Wies Heath in seiner obigen Statistik vom 23. Juli 1945 noch eine Lagerbelegschaft von 7.154 Personen aus – darunter 420 Russen und 2.456 Polen –, so spielen diese beiden NationalitĂ€ten in Bernsteins Statistiken nur noch eine marginale Rolle.

Die Belegungssituation

| Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] | Belegungssituation des DP-Lagers Hanau zwischen 1946 und 1949 [ 11.6 ] |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | | Litauer | Letten | Esten | andere | total | Jugend- liche < 18 | MĂ€nner | Frauen |
| 1946 | Jugendliche | 917 | 357 | 170 | 37 | 1.481 | | | |
| | MĂ€nner | 1.600 | 653 | 370 | 73 | 2.696 | | | |
| | Frauen | 1.022 | 622 | 314 | 49 | 2.007 | | | |
| | insgesamt | 3.539 | 1.632 | 854 | 159 | 6.184 | 1.481 | 2.696 | 2.007 |
| | | 57,23 % | 26,39 % | 13,81 % | 2,57 % | 100,00 % | 23,95 % | 43,60 % | 32,45 % |
| | | | | | | | | | |
| 1947 | Jugendliche | 856 | 362 | 173 | 62 | 1.453 | | | |
| | MĂ€nner | 1.447 | 524 | 373 | 122 | 2.466 | | | |
| | Frauen | 983 | 608 | 311 | 92 | 1.994 | | | |
| | insgesamt | 3.286 | 1.494 | 857 | 276 | 5.913 | 1.453 | 2.466 | 1.994 |
| | | 55,57 % | 25,27 % | 14,49 % | 4,67 % | 100,00 % | 24,57 % | 41,70 % | 33,72 % |
| | | | | | | | | | |
| 1948 | Jugendliche | 839 | 354 | 151 | 61 | 1.405 | | | |
| | MĂ€nner | 1.206 | 461 | 217 | 128 | 2.012 | | | |
| | Frauen | 890 | 542 | 213 | 93 | 1.738 | | | |
| | insgesamt | 2.935 | 1.357 | 581 | 282 | 5.155 | 1.405 | 2.012 | 1.738 |
| | | 56,94 % | 26,32 % | 11,27 % | 5,47 % | 100,00 % | 27,26 % | 39,03 % | 33,71 % |
| | | | | | | | | | |
| 1949 | Jugendliche | 734 | 347 | 121 | 108 | 1.310 | | | |
| | MĂ€nner | 871 | 415 | 142 | 232 | 1.660 | | | |
| | Frauen | 785 | 515 | 196 | 141 | 1.637 | | | |
| | insgesamt | 2.390 | 1.277 | 459 | 481 | 4.607 | 1.310 | 1.660 | 1.637 |
| | | 51,88 % | 27,72 % | 9,96 % | 10,44 % | 100,00 % | 28,43 % | 36,03 % | 35,53 % |
| | | | | | | | | | |
| Mittelwerte 1946–49 | Mittelwerte 1946–49 | 55,40 % | 26,42 % | 12,38 % | 5,79 % | | 26,05 % | 40,09 % | 33,86 % |

Hanau war nach den vorangegangenen Repatriierungen ab 1946 nur noch ein ĂŒberwiegend baltisches Lager, in dem russische, ukrainische, polnische und jĂŒdische Bewohner zusammen die kleine Gruppe der in der Statistik aufgefĂŒhrten anderen Bewohner bildeten. Zugleich ist diese Gruppe der Anderen die einzige, die sich im Laufe der Jahre vergrĂ¶ĂŸert hat. Bernstein erklĂ€rte das damit, dass andere Lager in der Umgebung in der Folge von Auswanderungen geschlossen und deren noch verbliebene Bewohner in grĂ¶ĂŸere Lager, wie eben Hanau, verlegt wurden. Den RĂŒckgang der Belegungszahlen insgesamt erklĂ€rte er wiederum mit weiteren Auswanderungen der DPs in die USA, nach Kanada und Australien, wobei jedoch ersichtlich sei, dass es vor allem die alleinstehenden MĂ€nner gewesen seien, die auswanderten. Der prozentuale Anteil der Frauen und Jugendlichen an der Lagerbevölkerung sei dadurch ĂŒber die Jahre hinweg gestiegen.cite-ref-118[11.7]

Bernsteins AufschlĂŒsselung der Lagerbewohner nach ihrer Religionszugehörigkeit unterstreicht noch einmal, dass Hanau kein Lager fĂŒr jĂŒdische DPs war. Seine Statistik weist fĂŒr das Jahr 1949 unter den 4.607 Lagerinsassen nur einen Bewohner jĂŒdischen Glaubens aus, wĂ€hrend knapp 53 % römisch-katholisch waren und knapp 37 % protestantisch.cite-ref-119[11.8]

Auch die Sterblichkeit innerhalb des Lagers war gering. Bernstein konstatierte ĂŒber die vier Jahre des Beobachtungszeitraums hinweg nur 27 TodesfĂ€lle, davon 7 aufgrund des Genusses von Methylalkohol. Die geringe Sterblichkeit fĂŒhrte er darauf zurĂŒck, dass „vorallem arbeitsfĂ€hige jĂŒngere Personen nach Deutschland verschleppt“ worden seien.cite-ref-119-1[11.8] Der Altersfaktor mag zutreffend sein, aber das Wort verschleppt ist in diesem Zusammenhang irrefĂŒhrend. Die mehrheitlich baltischen Lagerbewohner waren ja nicht von den Deutschen als Zwangsarbeiter oder HĂ€ftlinge nach Deutschland verschleppt worden, sondern waren aufgrund der Sowjetisierung ihrer HeimatlĂ€nder nach hier geflohen.

Bernstein ermittelte ĂŒber die Jahre hinweg eine alle NationalitĂ€ten betreffende sinkende Geburtenziffer im Lager und erklĂ€rte dies mit den fehlenden Zukunftsaussichten. Das sei auch ursĂ€chlich fĂŒr die vielen Abtreibungen gewesen, denn „Kinderreichtum erschwert bei einer eventuellen Auswanderung nach Ansicht der Lagerinsassen die NeugrĂŒndung einer Existenz im fremden Land“.cite-ref-120[11.9]

Die Wohnungssituation

Nach HĂ€fner war das Hanauer DP-Lager „infrastrukturell weit besser ausgerĂŒstet als die Stadt“cite-ref-121[2.5], doch nach Bernstein habe die Lösung der Wohnungsfrage im Lager Hanau analog zu anderen DP-Lagern die meisten Schwierigkeiten bereitet. FĂŒr die Jahre 1945/46 ermittelte Bernstein eine BruttowohnflĂ€che von 3,5 bis 4 mÂČ, die im Jahr 1949 auf 5,05 mÂČ gestiegen sei.cite-ref-120-1[11.9] Diese Zahlen sind jedoch problematisch, denn die BruttowohnflĂ€che schließt FlĂ€chen mit ein, die keine individuelle Wohnnutzung erlauben (BĂŒros, Schulen, VersammlungssĂ€le, Lesesaal, Bibliotheken), und zum anderen ermittelte er den 1949er Wert auf der Basis einer Bewohnerzahl von 5.312. Diese Zahl ist höher als die in den oben zitierten Statistiken ausgewiesene Bewohnerzahl fĂŒr 1949. Doch selbst vor dem Hintergrund dieser Unklarheiten ist ersichtlich, dass den einzelnen Bewohnern des Lagers kaum ausreichender und zumutbarer Wohnraum zur VerfĂŒgung stand – zumal erst 1948 die Keller und Dachböden der LagergebĂ€ude fĂŒr unbewohnbar erklĂ€rt worden waren.cite-ref-122[11.10]

Nach Bernstein befanden sich in den zumeist dreistöckigen KasernengebĂ€uden auf jedem Stockwerk durchschnittlich 25 Zimmer mit GrĂ¶ĂŸen zwischen 20 und 40 mÂČ. „In jedem Stockwerk befindet sich eine MĂ€nner- und Frauentoilette, sowie ein Waschraum, in dem die Bewohner auch Wasser zum Trinken und gelegentlichen Kochen entnehmen.“cite-ref-122-1[11.10]

„In vielen Zimmern sind aber die einzelnen Familien nur durch Decken oder sonstige VorhĂ€nge voneinander getrennt. Das Mobiliar besteht gewöhnlich aus einem Tisch, ein paar StĂŒhlen und aus einem Kleiderspind. Da Betten nicht in genĂŒgender Anzahl vorhanden sind, schlafen Erwachsene öfters mit einem Kind zusammen im Bett. Wir sahen in vielen Zimmern keine richtigen Bettgestelle, sondern hĂ€ufig amerikanische zusammenklappbare Feldbetten. Die "KĂŒche" befindet sich meist in einer Ecke des Zimmers und ist mit Tektur abgeteilt. Ordentliche Herde gibt es wenig, meist wird auf einem kleinen eisernen Ofen oder auf einem elektrischen Kocher gekocht.“

–

Aron Bernstein

:

Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhÀltnisse

, S. 16

Gleichwohl war Bernstein der Ansicht, dass „die Zimmer einen guten Eindruck“ machten, und die Bewohner von sich aus auf Sauberkeit achteten.cite-ref-123[11.11] Nicht frei von nationalistischen Untertönen ist jedoch seine EinschrĂ€nkung, dass dies vor allem auf die baltischen DPs zutreffe und weniger auf die aus der Ukraine, denn „immerhin fand man bei einer SanitĂ€tsinspektion bei Ukrainern in einem Zimmer eine hochschwangere Frau und in einer Ecke des gleichen Zimmers eine Ziege und ein Schwein“.cite-ref-124[11.12]

1949 sei dann sichergestellt gewesen, dass jedes Zimmer elektrisch beleuchtet werden konnte, die Brennstoffversorgung wĂ€re aber immer noch mangelhaft. Immerhin seien inzwischen – anders als in den unmittelbaren Nachkriegsjahren – alle Fenster wieder verglast. Auch die Frage der Abwasserentsorgung, die in der FrĂŒhphase des Lagers durch das Verhalten der russischen DPs schwer in Mitleidenschaft gezogen worden sei, wĂ€re inzwischen, ebenso wie die Abfallentsorgung, in einem befriedigenden Zustand.cite-ref-125[11.13]

Abschließend verglich Bernstein die Wohnsituation der Hanauer Bevölkerung mit der der Lagerbewohner und kam zu dem Schluss, dass, auch wenn „die WohnverhĂ€ltnisse der deutschen Bevölkerung viel zu wĂŒnschen ĂŒbrig lassen“, diese dennoch besser waren als im DP-Lager Hanau. „Immerhin steht der deutschen Hanauer Bevölkerung wahrscheinlich 2- bis 8mal soviel Wohnraum zur VerfĂŒgung wie den Insassen des Hanauer DP-Lagers.“cite-ref-126[11.14]

Die Verpflegungssituation

Bernsteins Untersuchung enthĂ€lt einen umfangreichen Tabellenteil, in dem er die Lebensmittelversorgung der DPs in den Jahren 1946 bis 1949 ausfĂŒhrlich dokumentierte. Die grundsĂ€tzliche Problematik aber liest sich bei ihm so:

„Die Verpflegung der DPs war kurz nach dem Krieg dank der UNRAA-Leistungen gut. Nur die Versorgung mit frischem GemĂŒse und frischem Fleisch war schlecht. Mit der Zeit haben die UNRRA-Zuteilungen nachgelassen, besonders was die Seite der Kalorien anlangt. Nach Übernahme der UNRRA-Funktionen durch die IRO verschlechterte sich die ErnĂ€hrungslage der DPs weiter. Sie glich dann der des deutschen Normalverbrauchers. Bei der Ortsbevölkerung dagegen verbesserte sich die ErnĂ€hrungslage im Laufe der Zeit, vor allem nach der WĂ€hrungsreform im Juni 1948.“

–

Aron Bernstein

:

Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhÀltnisse

, S. 19

Innerhalb des Lagers gab es eine differenzierte Versorgung mit Lebensmitteln, die fĂŒr Kinder und Jugendliche andere VersorgungssĂ€tze vorsah als fĂŒr „Normalverbraucher“; stillende MĂŒtter oder Kranke wurden besser versorgt als Letztere, und arbeitende Lagerbewohner erhielten bessere Lebensmittelzuteilungen in AbhĂ€ngigkeit von der Schwere ihrer Arbeit. Wer bei amerikanischen Dienststellen arbeitete und dort ein warmes Mittagessen erhielt, bekam im Lager nur die Zuteilung fĂŒr Normalverbraucher.cite-ref-127[11.15]

Im Lager gab es zwei KĂŒchen, eine fĂŒr die Litauer, und eine fĂŒr die restlichen Lagerbewohner. Was dort zubereitet wurde, basierte auf den Abgaben der Normalverbraucher: Sie gaben einen Teil der ihnen zugeteilten Lebensmittel ab und erhielten dafĂŒr aus der LagerkĂŒche ein warmes Mittagessen. Bernstein registrierte allerdings eine stark rĂŒcklĂ€ufige Verpflegung durch die LagerkĂŒche. So seien durch die litauische KĂŒche 1947 2.000 Personen verpflegt worden, 1948 noch 1.500, aber 1949 nur noch 220. Diese Entwicklung sei darauf zurĂŒckzufĂŒhren gewesen, dass sich immer mehr Familien selbst bekocht hĂ€tten. Allerdings hĂ€tten die Normalverbraucher ĂŒber die Zuteilungen hinaus weitere Lebensmittel benötigt, die sie entweder ĂŒber auslĂ€ndische Geschenkpakete erhalten oder zugekauft hĂ€tten, wenn ihnen dafĂŒr Geld aus bezahlten Arbeitsleistungen zur VerfĂŒgung stand.cite-ref-128[11.16]

Aufgrund einer Anordnung der IRO wurden im Lager Hanau ab 1948 die Kinder und Jugendlichen regelmĂ€ĂŸig gewogen. Im Prinzip weisen Bernsteins darauf basierende Tabellen sinkende Zahlen fĂŒr die Probanden mit Gewichtsverlust aus, und deutlich höhere Zahlen fĂŒr Kinder und Jugendliche mit Gewichtszunahmen. Bernstein sieht darin einen Effekt der WĂ€hrungsreform von 1948, durch die sich auch die ErnĂ€hrungslage im DP-Lager verbessert habe.cite-ref-129[11.17]

Kultur und Unterricht

Bernstein berichtete zu dieser Thematik nur wenig, was ĂŒber das hinausgeht, was oben schon im Abschnitt Bildung fĂŒr die FrĂŒhzeit des Lagers dargestellt wurde. WĂ€hrend Heath am 9. November 1945 noch in sein Tagebuch eintrug, dass ihm seitens der MilitĂ€rverwaltung ein Antrag auf Klaviere verweigert worden seicite-ref-130[4.49], konnte Bernstein nun auf zwei Pianos verweisen, „die aus eigenen Mitteln der Lagerinsassen erworben wurden.“ Sie standen fĂŒr die lagereigene Musikschule zur VerfĂŒgung, in der kostenloser Musikunterricht erteilt wurde. Auch Noll hatte schon angemerkt, dass fĂŒr die musikalische Ausbildung der Kinder auf Instrumente zurĂŒckgegriffen werden konnte, die von der YMCA beschafft worden seien, die sich im Hanauer Lager in der Jugendarbeit engagierte.cite-ref-131[1.24]

FĂŒr die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler, die im Lager ein Gymnasium besuchten, wurden inzwischen die PrĂŒfungen vom Hessischen Kultusministerium anerkannt, und seit 1948 gab es auch eine lagereigene Volkshochschule.cite-ref-89-1[11.2]

Medizinische Versorgung

Der Mediziner Bernstein widmete dieser Thematik breiten Raum und konstatierte zunĂ€chst einmal, dass die hygienischen VerhĂ€ltnisse im Lager, fĂŒr deren Kontrolle zwei Ärzte verantwortlich waren, „mindestens zufriedenstellend“ gewesen seien. Offenbar gab es dazu auch einen Wettbewerb zwischen den einzelnen Lagern, denn er berichtete, dass Hanau im Jahr 1948 „fĂŒr Sauberkeit und gute sanitĂ€re VerhĂ€ltnisse unter mehreren Lagern den zweiten Preis“ bekommen hatte.cite-ref-132[11.18] Immer noch ungelöst war aber das Problem der UngezieferbekĂ€mpfung im Lager, das sich schon durch Heath’ Tagebuch zog und an das sich seine Frau auch 1998 noch erinnerte.

„Wenn ich an Wanzen, LĂ€use, Flöhe denke - DDT war kurz zuvor entdeckt worden und wurde als Segen fĂŒr die Menschheit gepriesen. Wir erhielten riesige Mengen, mit denen wir alle Neuankömmlinge unter großer Belustigung im Camp desinfizierten. Eine Wolke vorne in die Hose, eine hinten, eine ĂŒber den Kopf. Wir bliesen es ĂŒberall hin und schliefen unter einer großzĂŒgigen DDT-Schicht auf unserem Bettzeug. Heute ist diese direkte Anwendung von DDT natĂŒrlich verboten.“

–

Muriel Gardner-Heath

:

RĂŒckblick

, in: Alice Noll:

Die UNRRA in Hanau

, S. 151

An diesem laschen Umgang mit DDTcite-ref-133[29] hatte sich auch in den Folgejahren wenig geĂ€ndert, wie Bernstein nach eigener Inspektion und einer RĂŒcksprache mit dem „Desinfektor“ feststellte.

„TĂ€glich besucht der Desinfektor eine gewisse Anzahl von Wohnungen und verspritzt DDT-FlĂŒssigkeit und teilt DDT-Pulver aus, sodass alle fĂŒnf bis sechs Wochen jede Wohnung von neuem entwest wird. In der ersten Zeit des Lagerbestehens kamen UngezieferfĂ€lle hĂ€ufig zur Beobachtung. Im Jahre 1949 ist Ungeziefer selten geworden. Eine besondere Entlausungsbaracke besitzt das Lager nicht. Sie brauchte eben nicht eingerichtet zu werden.“

–

Aron Bernstein

:

Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhÀltnisse

, S. 16

Professioneller war die Vorbeugung gegen Typhus, Paratyphus, Pocken oder Diphtherie. Den regelmĂ€ĂŸigen und umfangreichen Impfungen war es nach Meinung von Bernstein zu verdanken, dass „grössere Epidemien im Lager nicht auftraten“.cite-ref-132-1[11.18] Ebenso fanden Röntgenuntersuchungen zur Tuberkulose-Erkennung statt

Die Infrastruktur der medizinischen Versorgung entsprach noch weitgehend der 1945 unter Harry Heath und dem Lagerarzt Pierre Clement geschaffenen Struktur mit einem Krankenhaus und zwei Ambulatorien. Das Krankenhaus, das nun 140 Betten besaß, firmierte als DP General Hospital W 166 und nahm auch Kranke aus der Umgebung zur stationĂ€ren Behandlung auf. „Anfang 1949 gab es im Lager Hanau 23 Ärzte und 24 Krankenschwestern“, wovon 4 Ärzte und 2 Schwestern in der litauischen Ambulatorien arbeiteten und 3 Ärzte und 2 Schwestern in der Ambulanz fĂŒr die restlichen NationalitĂ€ten.cite-ref-134[11.19] 6 der Ärzte waren ZahnĂ€rzte und boten entsprechende Behandlungen in den Ambulatorien an. Bernstein berichtete von etwa 2.000 zahnĂ€rztlichen Konsultationen, die in den Jahren 1947 bis 1949 monatlich stattgefunden hĂ€tten. 1949 erhielt das Lager ein eigenes zahntechnisches Labor.cite-ref-135[11.20]

In seiner abschließenden Zusammenfassung ging Bernstein davon aus, dass die kostenlose Krankenversorgung im DP-Lager der Hauptgrund fĂŒr deren „unverhĂ€ltnismĂ€ssige“ Inanspruchnahme gewesen sei.cite-ref-136[11.21]

Das Ende des DP-Lagers Hanau

Das DP-Lager Hanau diente seit 1949 als zentrale hessische DP-Einrichtung, da die anderen Lager in Hessen aufgelöst worden waren.cite-ref-137[3.4] Zu dieser Zeit waren die Alliierten aber auch schon dabei, eine endgĂŒltige Lösung fĂŒr die DP-Lager und die in ihnen lebenden Menschen zu finden.

Bereits mit dem Übergang der Lagerverwaltung von der UNRRA auf die IRO war seit 1947cite-ref-138[2.6] das Resettlement, die Auswanderung der DPs in LĂ€nder wie Großbritannien, die USA, Frankreich, PalĂ€stina und Australien oder deren Eingliederung in Deutschland, zum obersten Ziel geworden. Damit einher ging die Diskussion darĂŒber, wer kĂŒnftig die Verantwortung fĂŒr die DPs ĂŒbernehmen solle. In der britischen und in der amerikanischen Besatzungszone wurden diese Prozesse unterschiedlich schnell vorangetriebencite-ref-j-schaser-139-0[30], doch am 9. Februar 1950 wurde die Bundesregierung von der Alliierten Hohen Kommission darĂŒber informiert, dass sie vom 30. Juni 1950 an die Verantwortung ĂŒber die noch in Deutschland lebenden DPs zu ĂŒbernehmen habe und dass
„a. die IRO unverĂ€ndert alle DPs betreuen werde, die sich am 30.6.1950 im Prozess des Resettlement befĂ€nden, und auch ĂŒber diesen Termin hinaus alle diejenigen DPs, die in der sogenannten ‚pipeline‘ des Resettlement noch anstĂŒnden;
b. am 30.6.1950 alle ĂŒbrigen DPs finanziell und verwaltungsmĂ€ĂŸig in die Verantwortlichkeit der Bundesregierung gestellt wĂŒrden, wobei jedoch die alliierten Vorbehaltsrechte nach §2 (d) des Besatzungsstatuts gelten wĂŒrden;
c. die Mehrzahl dieser DPs auf Dauer in der Bundesrepublik bleiben wĂŒrden, so dass deren zivilrechtlicher Status ein bedeutendes Problem sei, das entsprechender Gesetzgebung bedĂŒrfe;
d. eine uniforme Übergabe-Regelung nicht möglich sei, vielmehr die Bundesregierung die einzelnen BundeslĂ€nder auffordern solle, die Übernahme der DPs in separaten Verhandlungen mit den BesatzungsmĂ€chten abzusprechen.“cite-ref-140[31]

Ob Hessen insbesondere den Punkt d als Handlungsaufforderung begriff, ist ungewiss. Jedoch verhandelten bereits am 13. Juni 1950 Beamte des Hessischen Innenministeriums mit der Stadt Hanau ĂŒber die Auflösung des DP-Lagers.cite-ref-thielemann-285-141-0[32] Dabei standen sich zunĂ€chst zwei unterschiedliche Vorstellungen gegenĂŒber: Das Land verlangte, die Stadt solle die noch verbliebenen 1.500 DPs ĂŒbernehmen, und die Stadt, die sich schon 1947 um die Freigabe erst einer und dann aller Kasernen bemĂŒht hatte, um die stĂ€dtische Wohnungsnot zu milderncite-ref-142[2.7], forderte erneut die Übertragung der Kasernen, um sie in Wohnraum fĂŒr die einheimische Bevölkerung umwandeln zu können. FĂŒr letzteres war allerdings nicht das Land zustĂ€ndig, sondern immer noch die MilitĂ€rverwaltung, und die entschied, dass die Kasernen wegen des Koreakriegs in Zukunft militĂ€risch genutzt wĂŒrden.cite-ref-thielemann-285-141-1[32]

Im Sommer 1950 wurden die pflegebedĂŒrftigen Hanauer DPs in sĂŒddeutsche Heime verlegt.cite-ref-thielemann-285-141-2[32] In den Kasernen lebten danach noch 565 DPs sowie 82 Einheimische und 26 Umsiedler aus Schleswig-Holstein, die in der Stadt untergebracht werden mussten. Seitens der DPs kam es zu Protesten gegen diese Maßnahmen und zu einer Reihe von Brandstiftungen.cite-ref-143[2.8] Zum von der US-Armee angesetzten letzten RĂ€umungstermin, dem 30. November 1950, wurden 320 Menschen in die Obhut der Stadt Hanau ĂŒbergeben und 150 zogen nach Frankfurt. „Der Rest sollte auf der Basis einer Arbeitsstelle verteilt werden.“cite-ref-4-1[2.1] Das Land Hessen stellte fĂŒr die Unterbringung der letzten Hanauer DPs drei Baracken in Hanau und eine in Frankfurt zur VerfĂŒgung.cite-ref-thielemann-285-141-3[32]

In der Folge der zuvor zitierten BeschlĂŒsse der Alliierten Hohen Kommission wurden 1951 durch das Gesetz ĂŒber die Rechtsstellung heimatloser AuslĂ€nder im Bundesgebiet aus den Displaced Persons Heimatlose AuslĂ€nder. FĂŒr einige von ihnen entstanden in Hanau vom Land Hessen geförderte Sozialwohnungen.cite-ref-thielemann-285-141-4[32]

Anmerkungen

‱ Anm. Der kurze Lebenslauf im Anhang zur Dissertation lieferte die Daten fĂŒr den biographischen Abriss. Das Todesdatum stammt von dem bei Find a Grave abgebildeten Grabstein.cite-ref-144[33]

Literatur

‱ ab-dpAron Bernstein: Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhĂ€ltnisse, Dissertation, Frankfurt am Main 1950 (maschinenschriftliches Manuskript).
‱ e-thielEdgar Thielemann: „Ihnen begegnen wir ĂŒberall auf der Straße“* Fremd- und Zwangsarbeiter in Hanau 1939 - 1945 (*Hanauer Kriegstagebuch 1939-1945), Hanauer Geschichtsverein 1844, Hanau 2006, ISBN 3-935395-07-8.
‱ mf-dpMarkus HĂ€fner: Displaced Persons in Hanau: RĂŒckfĂŒhrung und Integration, in: Neues Magazin fĂŒr Hanauische Geschichte, Hanauer Geschichtsvereins 1844 e.V., Hanau 2016, S. 204 ff.
‱ heath-tbAlice Noll: Die UNRRA in Hanau. Das Tagebuch des Harry Heath. Leiter des DP-Camps Hanau 1945, Magistrat der BrĂŒder-Grimm-Stadt Hanau, Hanau 2021. Noll greift am Anfang und Ende des Buches auch auf Aufzeichnungen von Muriel Gardner-Heath zurĂŒck. Von der existiert zusĂ€tzlich ein 145-minĂŒtiges Interview (5 Teile) in englischer Sprache aus dem Jahr 1998: Gardner, Muriel (Oral history) auf der Webseite des Imperial War Museum.
‱ Elisa Lecointe: Displaced Persons an der Uni: Litauische Studierende an der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt in den ersten Nachkriegsjahren, in: USE: UniversitĂ€t Studieren / Studieren Erforschen, 24. Januar 2014 (Online)
‱ Wolfgang Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen AuslĂ€nder. Die Displaced Persons in Westdeutschland, 1945-1951, Göttingen 1985, ISBN 978-3-525-35724-8 (Online)

Weblinks

‱ Arolsen Archives: Suchen im DP Camp Inventory
‱ Über die Suchmaschine fĂŒr die Archive der Vereinten Nationen besteht Zugriff auf digitalisierte Dokumente der UNRRA, die auch das Lager Hanau betreffen, darunter viele Fotos.

Einzelnachweise

1. Alice Noll: Einleitung und Anmerkungen zu Die UNRRA in Hanau
2. Markus HĂ€fner: Displaced Persons in Hanau
cite-note-e-thielemann-53. ↑ Edgar Thielemann: "Ihnen begegnen wir ĂŒberall auf der Straße"
3. Das Tagebuch des Harry Heath, in: Alice Noll: Die UNRRA in Hanau
cite-note-124. Noll betont aber auch, dass diese Funktionsbeschreibung so nur fĂŒr die amerikanische Besatzungszone galt, nicht aber fĂŒr die britische oder französische Besatzungszone.
cite-note-166. ↑ der Ort Korelitsche gehörte damals zu Polen und heute zu Belarus.
cite-note-177. ↑ Bernstein wurde begraben auf dem Friedhof von Huntingdon Valley, einem Ort im Montgomery County (Pennsylvania)
cite-note-188. ↑ Noll erwĂ€hnt, dass die UniversitĂ€ten in der britischen und US-amerikanischen Zone verpflichtet waren, mindestens 10 % der StudienplĂ€tze fĂŒr studierwillige DPs zur VerfĂŒgung zu stellen. In Frankfurt habe es sich hierbei zu einem großen Teil um litauische DPs gehandelt, die aus dem Lager Hanau gekommen seien. (Alice Noll: Einleitung und Anmerkungen zu Die UNRRA in Hanau, S. 113, Anmerkung 130) Eine der wenigen Untersuchungen ĂŒber studierende DPs an deutschen UniversitĂ€ten stammt von Elisa Lecointe: Displaced Persons an der Uni: Litauische Studierende an der Goethe-UniversitĂ€t Frankfurt in den ersten Nachkriegsjahren, in: USE: UniversitĂ€t Studieren / Studieren Erforschen, 24. Januar 2014 (Online)
cite-note-199. ↑ Bernstein hatte fĂŒr seine Arbeit die volle UnterstĂŒtzung der Lagerverwaltung und konnte auf die Registratur des Lagers zurĂŒckgreifen. AuskĂŒnfte erhielt er unter anderem vom Chefarzt des Lagers, und er konnte Einsicht nehmen in die Kopien der Gesundheitsberichte, die die Lagerleitung fortlaufend fĂŒr die MilitĂ€rregierung erstellen musste. Bernstein erhielt zudem UnterstĂŒtzung durch verschiedene stĂ€dtische Ämter. (Aron Bernstein: Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhĂ€ltnisse, S. 2–3)
cite-note-2210. ↑ Einwohner Hanaus im Jahre 1946: 22.067.
5. Aron Bernstein: Das DP (displaced persons)-Lager Hanau und seine GesundheitsverhÀltnisse
cite-note-2812. ↑ Noll spricht in Bezug auf die MMLA von der „Armee der französischen Exilregierung in London, zu der seit 1941 ein Corps weiblicher Freiwilligen gehört“. (Alice Noll: Einleitung und Anmerkungen zu Die UNRRA in Hanau, S. 22, Anmerkung 24). Nach französischen Quellen wurde die MMLA aber erst am 30. August 1943 als Verbindungsorganisation zwischen den Alliierten und den Franzosen gegrĂŒndet. Ihr Kommandant war Claude Hettier de Boislambert. Zur MMLA gehörte auch ein Dienst fĂŒr Zivilangelegenheiten (France Archives: Mission militaire de liaison administrative (1943-1944))
cite-note-2913. ↑ Sonia Vagliano-Eloy: Les demoiselles de Gaulle, 1943-1945, Plon, Paris 1982, ISBN 978-2-259-00906-5
6. Muriel Gardner-Heath: RĂŒckblick, in: Alice Noll: Die UNRRA in Hanau, S. 145–157
cite-note-3815. ↑ Auf der Webseite After the Shoah, die die Ergebnisse ĂŒber die Erforschung der jĂŒdischen DP-Camps und Communities in den westlichen Besatzungszonen nach 1945 vorstellt, gibt es zu Hanau keinen Eintrag.
cite-note-4116. ↑ Noll beruft sich bei dem N-Wort auf den Originaltext, in dem dann vermutlich der Begriff negroes zur Verwendung kam.
cite-note-5217. ↑ Siehe hierzu auch: Arolsen Archives: Hintergrundinformationen zu DP-Dokumenten
cite-note-5318. ↑ Über das Schicksal der baltischen DPs in Deutschland informiert sehr ausfĂŒhrlich die Webseite Baltische DPs in Deutschland.
cite-note-6019. ↑ Siehe hierzu auch das Kapitel 3.5.4 Die »baltischen« DPs: Esten, Letten, Litauer bei Wolfgang Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen AuslĂ€nder, S. 79 ff.
cite-note-coler-report-6620. ↑ H. Robert Coler: Medizinische Situation im Lager Hanau (Bericht vom 11. Dezember 1945 fĂŒr die Abteilung Öffentliches Gesundheitswesen im BĂŒro der MilitĂ€rverwaltung fĂŒr Groß-Hessen), in: Alice Noll: Die UNRRA in Hanau, S. 158–167. H. Robert Coler war im Range eines Majors Mitarbeiter des United States Public Health Service und Regional Medical Officer UNRRA. FĂŒr seinen Report inspizierte er das Lager Hanau am 21. und 26. November sowie am 1. Dezember 1945.
cite-note-7321. ↑ Siehe hierzu auch: KulturdenkmĂ€ler in Hessen: Kasernenviertel Lamboy
cite-note-e-lecointe-9022. ↑ Elisa Lecointe: Displaced Persons an der Uni
cite-note-9123. ↑ Juliane Wetzel: United Nations Relief and Rehabilitation Administration (UNRRA). In: Historisches Lexikon Bayerns. Bayerische Staatsbibliothek, 25. Juni 2012, abgerufen am 8. April 2021. & Bernhard Zittel: Die UNRRA-UniversitĂ€t in MĂŒnchen 1945–1947. In: Archivalische Zeitschrift. Band 75, Nr. 1, 1. Dezember 1979, ISSN 0003-9497, S. 281–301 (vr-elibrary.de [abgerufen am 3. Mai 2022]).
cite-note-9224. ↑ Die Webseite Baltische FlĂŒchtlingslager in Deutschland informiert ausfĂŒhrlich ĂŒber die Geschichte der baltischen DPs. Auf ihrer Unterseite Education findet sich ein lĂ€ngerer Abschnitt ĂŒber HIGHER AND HIGH SCHOOLS, der auch Dokumente zu Studenten und Absolventen der Baltischen UniversitĂ€t enthĂ€lt.
cite-note-9325. ↑ Marcus Velke: Zwischen UniversitĂ€t und Lagerleben. Zum Studium von Displaced Persons in Bonn und Köln, in: Geschichte im Westen (GiW), Jahrgang 25 (2010), Klartext Verlag, Essen, ISSN 0930-3286, S. 177–207 (Online)
cite-note-noll-75-9426. ↑ Alice Noll: Einleitung und Anmerkungen zu Die UNRRA in Hanau, S. 75, Anmerkung 84
cite-note-9727. ↑ Es gibt keine Belege dafĂŒr, dass die berufliche Qualifikation der DPs in den HĂ€nden einer anderen Organisation lag, als in denen der ORT. Möglicherweise irrte Bernstein auch bei der Bezeichnung WTC, denn die gebrĂ€uchliche AbkĂŒrzung fĂŒr die Berufsbildungseinrichtungen war VTC, was fĂŒr Vocational Training Centers stand.
cite-note-11128. ↑ Camps in Germany (1944–1951) for refugees from Baltic countries: Culture / Press
cite-note-13329. ↑ Auf der Webseite What happened to people displaced by the Second World War? der Imperial War Museums wird in dem Video Life in a Displaced Persons Centre, 1945 sehr drastisch gezeigt, mit welcher Unbefangenheit damals DDT zum Einsatz kam.
cite-note-j-schaser-13930. ↑ JĂŒrgen Schaser: Der Übergang der DP-Verantwortlichkeit auf die deutschen Behörden in Mannheim, in: Christian Pletzing / Marcus Velke (Hg.): Lager – Repatriierung – Integration. BeitrĂ€ge zur Displaced Persons-Forschung, BiblionMedia, Leipzig 2016, ISBN 978-3-86688-506-6, S. 306 (Online)
cite-note-14031. ↑ JĂŒrgen Schaser: Der Übergang der DP-Verantwortlichkeit, S. 308. Schaser bezieht sich bei diesen vier Punkten auf Wolfgang Jacobmeyer: Vom Zwangsarbeiter zum heimatlosen AuslĂ€nder, S. 220 f.
cite-note-thielemann-285-14132. ↑ Edgar Thielemann: "Ihnen begegnen wir ĂŒberall auf der Straße", S. 285
cite-note-14433. ↑ Dr Aron Bernstein in der Datenbank Find a Grave, abgerufen am 14. Januar 2024.